Freitag, 24. Juni 2011

Doodle!


Sicher ist euch aufgefallen, wie wunderschön und Google am 21. Juni aussah. Aber vielleicht habt ihr nur die obere Zeichnung, nicht dagegen die untere sehen können (die ist die Winter-Version).
Mein Erklärungs-Knopf von Google sagte mir nur, was ich schon vermutet hatte: dass der Autor dieses so genannten Doodles Takashi Murakami ist, der weltberühmte Künstler (um nicht zu sagen: Kunstmarke).
Der Anlass? Google bat Murakami anlässlich der Sommersonnenwende (habe ich auch neu gelernt auf Englisch: Summer Solstice) um die Zeichnung. Wie berühmt muss man sein, um von Google für so etwas engagiert zu werden!

Obwohl ich mit Comics und ähnlichem gar nicht so sehr zu tun habe, diesen Künstler finde ich toll, mit seiner ausgelassenen, modernen Herangehensweise, die zutiefst japanisch ist und zugleich global so erfolgreich, dass man ihn überall findet (in allen Museen, Biennale, Messen et cetera). Sehr schön war zum Beispiel seine Aktion, seine üppigen bunten Werke in den ehrwürdigen Spiegel-Hallen von Versailles aufzustellen (einfach Murakami Versailles googeln). Irgendwie passten seine vorlauten, mit Blümchen und kleinen Männchen bestückten – Skulpturen? Kerzenleuchter-Anspielungen? – hervorragend zu dem übertriebenen Gehabe dieses Schlosses.

Tja, dies passt wunderbar zu meiner Kunst-Woche, Kunst ist eben überall.
Nun genießen wir einfach die langen Tage, die Vorhersagen für den Siebenschläfer-Tag (in diesem Jahr: 27. Juni) sind im Augenblick auch ganz gut, also hoffen wir einfach auf einen wunderbaren Sommer!

Donnerstag, 23. Juni 2011

OMA – Progress


Eine Messebesucherin auf der Art Cologne 2011

Vor ein paar Jahren sah ich, dass das von mir geliebte Kunst-Magazin Art interessante Ausstellungs-Titel von Galerien und Museen sammelte. Beim Durchblättern des diesjährigen Programms fielen mir durchaus auch ein paar auf (Quelle und nähere Beschreibung der jeweiligen Ausstellung stelle ich gerne auf Nachfrage zur Verfügung):

-M+M: komm erstmal zu mir

-800 vs 900

-Ich fresse Dich, Du frisst mich

-Die Spur führt in die Wälder

-I love ALDI

-Kraftwerk Depot. Spuren für die Zukunft – Energien der Gegenwart

-OMA – Progress


Diese gehören allerdings bereits zu den besten Ausstellungen dieses Jahres.

Im Jahr 2008 hat das Art-Magazin dagegen wirklich aus dem Vollen geschöpft (auch hier können die jeweiligen Quellen nachgereicht werden, alles echte Ausstellungen!!):

-Föhn Form Ferstand

-Attacke die Waldfee

-Hase, Krebs und Nachtigall

-Ornament und Verbrechen

-Installation – Unfall als Skulptur


Und meine beiden Favoriten, die Ausstellungen

-Stammtisch. Suchtrupp. Gartenarbeit.

und der Gewinner, die Ausstellung

-Bremslichter der Erkenntnis

Mittwoch, 22. Juni 2011

Nachgetragen

Reaktionen und Überlegungen zu vergangenen Posts:

-Infrastruktur-Post (Jetzt reicht's, vom 8.6.2011) in dem ich beklagte, dass es keine Fernsehsendung mehr gibt wie früher, in der sich Zuschauer über nicht funktionierende Infrastruktur (Post, Telekom, Bahn et cetera) beschweren können!
Möglicherweise gibt es in den Medien Mini-Pranger, an die die Firmen (meines Erachtens nicht hinreichend) gestellt werden. Ich habe jedenfalls einen entdeckt: es gibt im Hamburger Abendblatt einen so genannten Leserbotschafter, dem man sein Leid klagen kann und der dann tatsächlich bei dem betreffenden Firmen anruft und für eine Kulanzlösung des Problems sorgt.
Vielleicht fallen euch ähnliche Anlaufstellen auf?

-Spanx-Post! (Spanx-Mieder, oder: Too much information! vom 27.5.2011)
Dort sinnierte ich über die schlank machende (wie ich jetzt weiß "Shapewear" heißende) Schummel-Unterwäsche.
Ich habe in der Zwischenzeit viel gelernt: erstens, dass es natürlich nicht komplett fair ist es als Schummel-Unterwäsche zu bezeichnen, denn bereits ein gut geschnittenes, uns schlank machendes Kleid anzuziehen ist das erste Schummeln, klar. Zweitens, dass es diese Unterwäsche auch für Männer gibt!! Und schließlich drittens, dass die Zielgruppe dieser Unterwäsche – ganz anders als ich es gedacht habe – nicht die kurvigen Schönheiten unter uns sind, sondern diejenigen, die nur 2-3 Kilo zu viel zu haben meinen und schön ausgehen wollen.
Nur: Ganz offensichtlich ist dies für Samstags-Abends gemeint, wenn man ein knallenges Kleid anziehen möchte und so richtig sensationell aussehen will. Tolle Idee, da geht man vielleicht nicht allein nachhause – – und dann?? Der schmachtende Partner kann einen doch dann nicht aus dem sexy Kleid heraus schälen (um verführerische Lingerie zu erblicken), sondern wie läuft das dann? Schließt man sich im Badezimmer ein, quält sich aus den (bestimmt Druckstellen hinterlassenden) Schlauch-Wäsche-Stücken heraus, stopft die – wohin? In das Abend-Täschchen, wo sich schon die verführerische – ihr wisst schon – befindet? –, zieht wieder sein wunderschönes Kleid an (das jetzt zu eng ist?). Und – ist in der Zwischenzeit der Umworbene eingeschlafen??
Die Lösung hierfür konnte mir bis jetzt noch nicht einmal ein Fachmann erklären!

-Und schließlich mein Neid-auf-Glückskinder-Post (Neidisch? Vom 29.4.2011):
eine nützliche Übung, falls ihr unwahrscheinlicherweise mal in der Situation seid, sich mit Brangelina & Co., bzw. mit denen Vertretern in eurem Leben (oder gar zum Beispiel mit eifrigen Spanx-Trägern) zu vergleichen: bedenkt, dass mit 99-prozentigen Wahrscheinlichkeit auch ihr für jemanden (und auch häufig: fälschlicherweise) Brad oder Angelina seid! Denn was bedenken wir immer schön? Alles, alles ist relativ…

(Foto:Hias Schaschko Postkarten)

Dienstag, 21. Juni 2011

Reise, Messe: leider sportlich

Auf der Messe Basel, da war es wieder: Das Dilemma. Man möchte schick aussehen, seine Persönlichkeit zeigen, besonders auf einer Kunst-Messe "interessant" aussehen. Aber: eine Messe ist ein Lauf-Marathon. Man läuft viel mehr, als man denkt oder als man normalerweise je daran denken würde zu laufen. Und nur wegen schmerzenden Füßen die letzte Stunde Galerie-Besichtigung absagen müssen? No way!

Nicht umsonst sieht man am Rand das charakteristische Bild: eine schicke Dame wechselt von Higheels auf Ballerinas. (Denn Higheels: das tragen nur diejenigen, die nur ganz kurz zum Repräsentieren da sind und natürlich: die armen Galerie-Kolleginnen!). Meinen Füßen reichen Ballerina aber nicht. Macht nichts: seit ich gesehen habe, dass geheimnisvolle, bedeutend aussehende Sammler in Sportschuhen auftauchen und auch in die VIP-Lounge (hier: Collector's Lounge genannt) verschwinden, bin ich beruhigt. Okay, dann Sportschuhe.

– – Aber, aber – – dennoch: das beeinflusst doch das ganze Outfit! Man kann dann eben nicht mehr jedes Kleid, jede Art von Hose anziehen, letzten Endes muss man sein ganzes Outfit sportlich machen. Das nervt! Denn: dieses Problem ist doch auf Reisen das gleiche, oder? Vor allem auf Städte-Trips, wo man auch den ganzen Tag nur läuft und läuft? Ich jedenfalls kenne es so, dass alles wahnsinnig praktisch sein muss, zueinander passen muss, ein bisschen strapazierfähig sein muss, erlaubt sind höchstens ein paar wenige Stücke und Schuhe für abends extra… wenn man sonst selten Jeans anzieht sondern gerne Kleider, und ein bisschen ausgefallenere Sachen, fühlt man sich plötzlich wie eine ganz andere Person!

Teilweise ist dies natürlich vollkommen in Ordnung, denn als Tourist ist man ja in einer Art Niemandsland, man zählt nicht wirklich, man ist förmlich durchsichtig für die Einheimischen (wenn man nicht gerade mit schreiend roten Regenjacken und gelben Schirmen durch die Gegend schlendert). Aber vielleicht will man nicht durchsichtig sein in einer Großstadt? Oder man trifft dort Freunde und Bekannte, und hat das Gefühl: sie bekommen nur eine gefälschte Version des eigenen Stils, der eigenen Persönlichkeit vorgesetzt?

Manche kriegen das hin. Manche haben unglaublich trainierte und unempfindliche Füße, die meisten jedoch meiner Beobachtung nach nicht. Ich jedenfalls bewundere eine Freundin, die es auch im Sommerurlaub schafft wunderschöne Sommerröcke zu tragen und trotzdem bequem unendliche Kilometer hinter sich zu bringen. Der Trick: schöne, so unauffällig wie möglich gestaltete Sportschuhe mit niedrigen Söckchen, die man mit weiten schönen Röcken oder Sommerkleidern trotzdem tragen kann.

Auf dieser Messe jedenfalls habe ich einige Beispiele gesammelt, die wenigen Higheels habe ich im Wesentlichen nur bei Sitz-Pausen vor die Linse bekommen. Ansonsten versuchten einige mit unglaublich ausgefallenen Glitzer-, Silber- oder Leoparden-Sportschuhen trotzdem schick auszusehen.
Auf den Fotos verschiedene Ansätze. Und tiefe Verbeugung vor dieser Lösung: ein langer schwarzer Rock (sophisticated, das künstlerische Statement), Blazer und seriöses Top (für eventuelle Kaufverhandlungen?) und als Gegensatz und praktisch (!): die blütenweißen Chucks.

Wie macht ihr das eigentlich?

Montag, 20. Juni 2011

Trends, Revolutionen und eine Datsche auf der Art Basel

Jan Merta, Chata (Cervená slast), Cottage (Red Bliss), 2009
300 x 195 cm
"Datsche (Rote Wonne)", heißt dieses Bild, das sich riesig vor einem auftürmt und ironisch auf die Wochenendhaus-Kultur in Tschechien anspielt (von einem tschechischen Künstler, Titel aus dem Tschechischen übersetzt).

Ein kleines Kunstwerk überraschte mich: ein Stück groben Stoffs, schätzungsweise 40 × 50 cm an der Wand hängend, mit einem unregelmäßigen Riss, in dem weiße und zum Teil goldene Kunst-Perlen hineingenäht wurden, ganz so wie man sie von Kleidern kennt. Es heißt: "Pray", also, wenn ich es korrekt übersetze: "Bete". Es zeigt, dass es möglich ist: ein Kunstwerk aus völlig unerwartetem Material, Form, Haptik mit Lust es zu berühren und eine poetische Übersetzung einer Idee (vielleicht, meine Deutung: Beten als eine zarte, kostbare aber zaghaft vorgetragene Bitte, aber nicht schön und regelmäßig, sondern in Not vorgebracht (in dem unregelmäßigen Riss), ein bisschen unordentlich, mit zitternder Hand genäht…)
Liza Lou. Pray 2010-2011

Trends? Eine neue Mode ist, seine Kunstwerke nicht zu benennen und stattdessen zu schreiben  "title to be confirmed“, "not yet titled...". Das ist beim ersten Mal witzig, aber wenn man das mehr als vier Mal sieht, wird es zu einem simplen Trend.
Das erste interaktive Kunstwerk in Form eines interaktiven Screens war ganz interessant, Screens könnten die Galeristen aber gerne häufiger verwenden, wie nur eine Galerie, soweit ich sah: darauf könnten gerne Bilder von Kunstwerken laufen, die die Galerie nicht dabei hat aber anzubieten hat. Das würde den Umsatz ganz sicher nach oben treiben.

Gefreut habe ich mich, einige wunderbare Bilder von Alex Katz zu sehen, und (im Vergleich zur Art Cologne & letzten Jahr Basel) tauchten plötzlich in etlichen Galerien Bilder von Albert Oehlen auf, den ich früher überhaupt nicht mochte und der jetzt einen (für mich) neuen Stil zeigte. Und hin und wieder interessante chinesische oder koreanische Künstler, aber leider viel zu wenige, vermutlich machen die Bilder nicht die weite Reise bis nach Europa, da es nun die neue Messe Art Hongkong gibt.


Art Basel 2011, 100 Tonson Gallery, Art Feature Rirkrit Tiravanija

Schließlich ein Tableau, das Messe-Besucher und Künstler gemeinsam bildeten: eine Galerie aus Bangkok ließ Künstler ein thailändisches Gericht kochen und ausgeben, gleichzeitig malten die Künstler auf alle Wände, ganz in der Atmosphäre und in dem Sinne der arabischen Revolutionen (mit Aufschriften wie "Open Facebook" oder "Mubarak you are out“ und ähnlich). Sobald man von diesem Gericht gekostet hat, fühlte man sich glatt, als ob man die Diktatoren mit aus dem Amt getrieben hätte!

(Außerdem vielleicht interessant: Die Kritik an der diesjährigen Spitzen-Kunstmesse ist meines Erachtens durchaus berechtigt: es gab keine bemerkenswerten Plastiken, keine Wahrzeichen vor den Messegebäuden wie sonst, der nicht-kommerzielle Bereich (Art Unlimited) aus meiner Sicht so schlecht gestaltet, dass man sich den Ausflug dorthin hätte sparen können. Die Kojen selbst der besten Galerien waren eng, labyrinthisch gestaltet, so dass es zeitweise wirklich zu voll wurde. Und es mag stimmen, dass im Augenblick die tollsten Arbeiten gar nicht auf dem Markt sind, denn die Wirtschaftslage ist so gut dass keiner wirklich verkaufen muss, und wenn, dann tut er es angeblich auf Auktionen. Aber wie immer: für Menschen die nicht nur den Mainstream-Geschmack genießen, ist Basel ein wahres Eldorado!)