Dienstag, 31. Januar 2012

Artigarchen

Warum ist zeitgenössische Kunst so teuer geworden?

Und was hat das mit uns zu tun?

Diese Frage bereitet den meisten von uns zwar nicht eben schlaflose Nächte, aber mitbekommen haben wir es alle: die aberwitzigen Preise auf dem Kunstmarkt, die zugleich ein Spiegel sind für die neuen Entwicklungen in unserer ökonomischen Welt. Und die wiederum einen Einfluss auf unsere ganz persönliche kulturelle Welt haben könnten, denn: welcher Künstler gefördert wird, welche Kunstrichtungen von den Mäzenen unserer Zeit begünstigt werden, könnte sich mit der Zeit darauf auswirken, welche Bilder sich eines Tages unsere Kinder als Klassiker in ihrem Kunstunterricht einprägen.

Normale Millionäre, die zugleich Kunstsammler sind, haben es heute schwer.
Denn aus den BRIC- Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) kaufen sich die Oligarchen ins westliche Kulturleben einfach ein.

Zum Beispiel Gerhard Richter, der teuerste, erfolgreichste lebende Künstler**. Früher konnte man einen Richter für sechsstellige oder niedrige siebenstellige Beträge erwerben, jetzt kommt man erstens nicht mehr ran und zweitens sind die russischen Milliardäre verrückt nach Richter und kaufen ihn zum zehnfachen dieser Preise auf!!

Einige Faktoren*:
Gerhard Richter


- Der Prestige-Faktor.

Eine Yacht, Autos, Häuser sind irgendwie noch praktische Gegenstände, Kunstwerke nicht. Man kann zeigen, dass man so viel Geld hat, dass man es einfach mit vollen Händen weggeben kann, einfach so (Hauptsache die anderen erfahren es. Und dass tun sie, denn mit den gezahlten Preisen wird sehr ungeniert angegeben.)


- Orientierung.

Es ist leichter sich am Preis zu orientieren, als an der schwierigen Frage, wie gut das Kunstwerk wirklich ist und ob es einem gefällt. Nach dem Motto: Wenn es teuer ist, wird es bestimmt gut sein.


- Die Jagd ist aufregend.

Das Suchen und Entdecken und Erjagen von neuen Kunstwerken macht so viel Spaß, dass es wichtig ist, Zeitgenössisches zu suchen. Denn die alten Meister zum Beispiel sind so ausverkauft, dass es keinen Spaß mehr macht danach zu suchen. Dagegen Künstler, die viele Kunstwerke produzieren und die noch leben, mit denen man sich also auf Parties schmücken kann, die ermöglichen echte kompetitive Jagden!
Deshalb sind übrigens auch die großen Kunstmessen wie die Art Basel so beliebt: dort kann besonders sichtbar und Party-intensiv gejagt werden.


- Kultureller Einfluss auf die Gesellschaft.

Den kann man sich kaufen, indem man Trends initiiert: Man gibt sehr viel Geld für ein paar Werke eines neuen Künstlers aus, und schon denken die Oligarchen-Kollegen, dass sie auf diesen Zug aufspringen müssen.
Das verschafft Ansehen.
Man kann versuchen wie ein Mäzen zu wirken.
Einige sprechen von ihren Käufen als eine Art Opfer oder Gabe für den Künstler zum Wohl der guten Kunst!

Steigern lässt sich dies durch die beliebt werdende Ankündigung, man werde das Kunstwerk nicht verkaufen, selbst wenn es im Wert steigt, oder, man würde es nur verkaufen, um den Erlös den eigenen wohltätigen Stiftungen zukommen zu lassen.


Das jedenfalls nenne ich Reichtum. Das Geld für ideelle Werte, ohne Spekulationsabsicht ausgeben. Lasst uns hoffen, dass davon nicht nur das Image der Käufer und wohltätige Stiftungen (löblicherweise) profitieren, sondern dass auch die Qualität der Kunst eine gebührende Rolle spielen wird- wenn nicht jetzt, dann doch vielleicht in Zukunft!




*Frei nach einem Artikel aus der Newsweek, 12.12.2011, von Blake Gopnik
**Der demnächst seinen 80. Geburtstag feiert und eine wunderbare Ausstellung in Berlin haben wird, von Mitte Februar bis Mitte Mai.

                                              
(Erstes Foto: Kunstwerk eines unbekannten Künstlers in der Artbanka, Prag (vgl. Post vom 2.11.2011) http://janablog1.blogspot.com/2011/11/keine-inneneinrichtungstendenz.html)

Kommentare:

  1. Dazu faellt mir eine kleine Geschichte ein, hier in E passiert. Ein bekannter Kunstsammler, der einige unliebsam gewordene Bilder wieder los werden wollte, gab diese als zeitlich begrenzte Leihgabe an unser Museum (natuerlich Intimus vom Museumsdirektor). Die Presse ueberschlug sich in Lobeshymnen und mancher Kritiker trug dazu bei, die Bilder in der Szene bekannt zu machen. Nach 2 Jahren nahm er sie wieder zurueck und konnte sie mit grossem Gewinn verkaufen, der Wert hatte sich inzwischen mehr als verzehnfacht... - sie hatten ja schliesslich im F Museum gehangen!

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    1. ce ca. unser heiss geliebter flick macht das ja ebenso. nur, dass der keine ahnung von kunst hat und nur zum bekanntesten galeristen gegangen ist.
      und richtige sammler so in stil von den rubells oder selbst bohus sammeln da anders.

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  2. Rakelbilder (Unikat, Öl auf Papier, 38 x 26 cm) gibt es übrigens schon für 180 Euro, z.B. http://www.flickr.com/photos/30633921@N05/6808401215/in/photostream/lightbox/

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  3. Ja, da kann man sie sehen, aber wo kann man sie kaufen?

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    1. natürlich bei ebay, Suchbegriff: Rakelbilder

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