Mittwoch, 8. Februar 2017

Kinder? Eltern!








Gesehen im Prinzessinnengarten Berlin
Werdet ihr bald was sagen dürfen
wenn Kinder im öffentlichen Raum Grenzen überschreiten und
ihre Eltern wortlos danebenstehen?

Ohne als kinderfeindlich bezeichnet zu werden?

Vermutlich, denn es scheint immer mehr zu brodeln, als ob die Uhr ticken würde, demnächst jemandem der Kragen platzen würde.

Dabei gibt es ungefährliche Formulierungen, die zuallererst diejenigen retten könnten, die am meisten zu leiden haben unter der neuen öffentlichen Kinder-Freiheit:
Die Verkäufer im Einzelhandel.


JanaBlog hat sich noch nie etwas getraut, aber um sie herum braut sich was zusammen:
Ihr kennt das bestimmt auch alle – wenn alle Gespräche im Laden erstorben sind und peinliche Stille eintritt.
Wenn sich alle Blicke zum anwesenden Elternteil des Kindes richten.
Oder wenn im Café um euch herum mehrere Gespräche über ungezogene Kinder auffällig laut stattfinden, gerade in einer Lautstärke, dass es die Eltern hören könnten, aber nicht so, dass es als Angriff wirken würde.
Da scheint es nur noch eines winzigen Schritts zu bedürfen, laut etwas zu den Eltern selbst zu sagen.

Beispiel?

Ein hektischer Samstagvormittag in einer Apotheke in einem Akademiker-Hipster-Viertel in Hamburg: eine Mutter-Kundin mit einem schlafenden Säugling im Tuch und einem etwa achtjährigen Jungen.

Die Mutter hält ungefähr zehn wartende Zukunfts-Kunden auf, indem sie der Apothekerin nach Abwicklung ihrer eigentlichen Bestellung noch Rätsel aufgibt – „…Ich suche eine Creme, die war in so einem grünen Tiegel, ich weiß gar nicht ob ich es aus einer Apotheke hatte, könnten Sie nachschauen? Wie sie hieß weiß ich nicht, …“

Während die Apothekerin hektisch versucht im Computer kreativ zu werden, stützt sich der Achtjährige auf den Tresen, steckt sein Gesicht in ihr Gesichtsfeld und fragt ob er einen „dieser Anhänger“ bekommen könne (er ist anscheinend Profi und war schon ein paar Mal da, als die Apotheke letztens großzügig irgendwelche Schlüsselanhänger für Kinder ausgab).

Die Apothekerin möchte ihm völlig offensichtlich auf sein großspuriges Auftreten hin oder wahlweise: zum zehnten Mal nicht einen Anhänger geben und sagt sie glaube nicht, dass sie noch einen hat.

Was macht der Junge? Er quetscht sich hinter die Ladentheke (auf eine hohe Stufe, hinter den Tresen kletternd wo sich tatsächlich nur die Verkaufenden aufhalten dürfen – in einer Apotheke mit allerlei Medikamenten und sonstigen offen liegenden Dingen –) und sagt, in einer Kiste unter der Kasse wühlend: "Da ist doch noch ein Anhänger!"  Die Mutter vor der Ladentheke sagt nichts, obwohl ihr Baby vollkommen ruhig ist und es auch sonst nichts zu tun gibt – nicht einmal ihr iPhone ist im Betrieb.

Die immer gestresstere Apothekerin hat die zehn wartenden Zuschauer im Blick, nickt dem Jungen mit einem Seufzer kaum wahrnehmbar zu, um ihn loszuwerden, und er quetscht sich mit seiner Beute zurück in den Verkaufsraum.

Während dieser Szene senkt sich Stille über den Laden. Alle halten den Atem an und schauen zur Mutter, die so tut als ob nichts wäre. Das hält sie auch durch als sich ihr Junge anschließend auf die Dreh-Regale neben ihr stürzt, sich auf ihnen dreht und auf ihnen surft. Diese sind ja auf Rollen und damit sehr instabil – sie machen nicht nur einen Heiden-Krach und können beschädigt werden, sondern sind für das Kind zum Ausrutschen oder Umfallen durchaus nicht ungefährlich. Die Spannung steigt im Raum, wäre der Krach nicht so deutlich, würde man eine Stecknadel fallen hören … Und JanaBlog meint das Tick-Tick-Tick im Hintergrund zu hören …

Jeder Verkäufer könnte zig solche Geschichten erzählen,
man muss nicht unbedingt ein Angestellter in einem Laden mit für Kinder leicht zugänglichem Modeschmuck sein, um seine Zähne bereits halb ab-geknirscht zu haben beim routinierten professionellen Lächeln. Verkäufer berichten tatsächlich von solchen Situationen als dem größten Stressfaktor wenn man sie nach ihrer Arbeit fragt.


Am Eingang eines Einrichtungs-Ladens
 im Prenzlauer Berg, Berlin
Die Definition und der Respekt des öffentlichen Raums hat sich verändert. Kann man so machen, da kann man sich als Gesellschaft drauf einigen, kein Problem.

Cafés in denen sich Leute zu ernsthaften Gesprächen nicht treffen wollen, weil ihnen dort „zu viele Mütter“ sind, Hotel-Wellness-Abteilungen, die gemieden werden, weil manche Familien die ihnen zugeteilten Kinder-Pool-Nutzungs-Zeiten nicht respektieren und Kinos und Bars(ja, kein Tippfehler!), in denen kleine Kinder sogar nach Mitternacht herumtoben (verständlicherweise, völlig übermüdet), sind zum neuen Alltag geworden.

Aber so wie die Menschen hinter vorgehaltener Hand reden scheint es doch nicht sooo akzeptiert zu sein. Und die Unzufriedenheits-Linie verläuft nicht zwischen Kinder-habenden und nicht-habenden Menschen, Eltern sind diesbezüglich genauso kritisch, insbesondere wenn sie mal selbst ohne Kinder unterwegs sein wollen (http://muttis-blog.net/2014/01/05/hotels-und-restaurants-ohne-zutritt-fur-kinder-ein-skandal-ein-segen/).

Und trotzdem ist es immer noch ungewöhnlich und fühlt sich ein bisschen nach Shitstorm-Gefahr an, wenn man irgendwo ein Schild findet wie in einem japanischen Restaurant in Berlin, das Kindern unter zwölf Jahren den Zutritt verbietet. (Zur Verhinderung eines Shitstorms gibt JanaBlog hier nicht den Namen des Restaurants an, dieser kann auf Anfrage nachgereicht werden.).


Was man tun könnte?

Hier ein paar

JanaBlog Ideen:

Bevor einem der Kragen platzt, vielleicht ganz höflich die Eltern (immer die Eltern, sie sind zuständig) ansprechen:

Als Wirt oder Verkäufer:

Es tut mir leid,
- aus Sicherheitsgründen darf hier niemand hinter den Tresen/Ladentheke/Bar,
- die drehbaren Ausstellung-Türme sind nicht abgesichert, das könnte ein bisschen gefährlich werden (für Ihr Kind)
- bevor Sie gehen bin ich verpflichtet den Bestand der Ohrringe dort in der Ecke zu überprüfen …

Als Café-Besucher:

Entschuldigung, ich wollte nur sagen, dass es
- in unserer Ecke so laut ist, dass wir uns nicht verstehen können
- wir ein bisschen Angst haben, dass Ihre Kleine, die über unserem Tisch auf dem Felsen herumklettert(wahre Geschichte), auf unseren Tisch fallen könnte …


So vielleicht nicht unbedingt – Edgar Karte

Wichtig:

- Es nicht so weit kommen lassen, dass man aus der Haut fährt.
- So oft wie möglich völlig neutral formulieren, denn es besteht doch immer die Möglichkeit dass die Eltern einfach so zerstreut sind, dass sie zufällig übersehen haben dass die Kinder außer Rand und Band sind. Und sobald sie hören, dass andere sich betroffen fühlen, werden sie natürlich sofort intervenieren!
- Und auf Sicherheitsbedenken und eure Pflichten hinzuweisen – auch wenn ihr sie aus dem Stegreif erfunden habt – ist kein Flunkern. Solche Befürchtungen entsprechen ja völlig der Realität! Denn was passiert der Apothekerin, wenn der Ausstellungs-Turm auf das Kind fällt? Oder der Verkäuferin, wenn ein Kind in einem Schmuck-Laden einen Ohrring verschluckt?

Nur einmal hat JanaBlog eine Heldin des Alltags erlebt, die das Undenkbare gewagt hat, und sogar weit über die hier erwähnten Ideen hinausgegangen ist:

In einem Secondhandladen, in einem ähnlichen Viertel wie dem mit der Apotheke, mit einem alten Holzboden der selbst bei normaler Benutzung knirscht und laut hallt. Die Verkäuferin ist dabei sich an der Kasse zu konzentrieren, um zu entscheiden, welche Ware sie von der vor ihr stehenden Kundin annimmt und welche nicht. Den Laden betritt eine Mutter mit einem mindestens zehnjährigen Jungen, der einen kleinen Ball ununterbrochen gegen den lauten Boden wirft.
Umpf,
Umpf.
Umpf,
Umpf. …

((Tick. Tick. Tick.))

Da hebt die Verkäuferin den Kopf, schaut den Spielenden quer durch den Raum ganz ruhig an und sagt mit fester Stimme: „Entschuldige, das mit dem Ball ist ein bisschen laut und ich muss mich hier konzentrieren, das stört ein bisschen. Könntest du damit aufhören?“

Die Spannung ist in der Stille förmlich mit den Händen zu greifen, keiner der restlichen Kunden wagt sich zu bewegen, es ist als ob man einen Unfall beobachten würde, jede Sekunde eine kleine Ewigkeit. Was würde die Mutter machen?

– – – ............. Der Junge schaut die Verkäuferin an, als ob er einen Geist sehen würde, und hört vor Schreck mit dem Ballspiel auf. Er sieht so aus, als ob ihm noch niemals jemand so etwas gesagt hätte – und eins dürfte stimmen: ein Fremder wird ihm eine ähnliche Frage vermutlich noch nie gestellt haben.

Und die Mutter? Sie schien zu versuchen regungslos mit ihrer Umgebung zu verschmelzen wie ein Stealth-Bomber – aber genau weiß das niemand, denn keiner traute sich, zu ihr hinzuschauen. Zu hören jedenfalls war nichts.

Naja, vielleicht gibt es ja Hoffnung auch für diejenigen, die sich nicht trauen. In letzter Zeit hört JanaBlog von verschiedenen Twentysomethings wie sie sich beschweren, dass das Shoppen keinen Spaß macht, weil die Mütter (ihres eigenen Alters) ihre Kinder in die Umkleidekabinen mitbringen. Warum „sie ihre Kleinen denn nicht für die paar Stunden beim Mann oder Oma oder sonstig babysitten lassen, oder eben mal online einkaufen könnten, oder sich nicht unter der Woche einen Tag frei nehmen würden, wenn das Kind im Kindergarten ist?“, mosern sie sichtlich genervt …

… Wer weiß, möglicherweise kommt es ja gar nicht dazu, dass jemandem der Kragen platzen muss, vielleicht sagt die neueste Generation ja was, ganz entspannt!

Aber so oder so: Tickt da eine Uhr, oder beißen alle weiter die Zähne zusammen?






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Montag, 30. Januar 2017

Wie 2017 tragen?





Jetzt überlegen, was wir im Frühling und Sommer 2017 tragen wollen.

Aber vor dem Zücken der Kreditkarte kurz innehalten 
und sich die Geldbeutel-schonende Frage stellen:

WIE können wir die neue Mode tragen, so dass es zumindest gut aussieht, im besten Fall sensationell?

WO können wir uns was abgucken?

Der Street Style bei den Fashion Weeks ist ideal um sich zu informieren, und da muss ich diesmal feststellen: Wir behaupten zwar immer, es gäbe keine Mode mehr, aber

diesmal trugen alle irgendwie das Gleiche:


Foto: Phil Oh für Vogue, Outfits: Gucci 

Selbstverständlich
trugen alle Gucci, und bei aller aufrichtiger JanaBlog-Bewunderung des momentanen Gucci-Designers war mir das schon fast ein bisschen zu viel. Und obwohl es normalerweise wunderbar geschmackvoll getragen wird, kann ich nur warnen,
man kann es auch übertreiben und wie in einer uncoolen(!) Variante eines Pyjamas herumwandeln. Hier noch dazu zu zweit, was den bemühten Eindruck nur peinlich verstärkt.
  
Dann mein geliebtes
Korsett von Prada (http://janablog1.blogspot.de/2016/03/korsett.html), das musste nun wirklich jeder anhaben. Aber Achtung, es darf nicht zu halbherzig daherkommen, und die richtige Figur muss man auch haben.

Ich gebe zu, es ist nicht einfach es richtig zu tragen, und hier ist der Ansatz völlig safe, aber eben dadurch dann doch zu unauffällig-schüchtern:


Foto: Phil Oh für Vogue


Das Aufeinandertreffen von Materialien muss schon prägnant sein, um wirklich ironisch zu wirken, ganz gut gelungen hier:


Foto: Phil Oh für Vogue


Die Wirkung verliert sich aber wie im nächsten Bild, wenn man das Korsett
zwar besonders cool tragen möchte – das gleiche(!) Kleid wie vorhin, raffiniert mit dem Ledermantel – aber
Modelmaße hat – sprich: Ohne Kurven geht das Korsett unter.


Foto: Phil Oh für Vogue


Schließlich ist es zumindest von Prada selbst eher so gemeint:




Dekonstruierte Röcke sind einfach wunderbar, und schon hier sieht man welche Gefahr für diesen Frühling-Sommer 2017 besteht – nämlich
dass wir alle das gleiche tragen, und dann sieht es so aus: 


Foto: Phil Oh für Vogue

Und des Stripe-Stoff, den man im Foto auch als trendige schulterfreie Bluse sieht hängt ja schon seit Ewigkeiten bei ZARA, man hat sich daran schon fast satt gesehen noch ehe er richtig zur Mode geworden ist.

Und bei aller Liebe zur Mode, geradezu Fashionvictim-mäßig und langweilig sieht das aus, wenn wir alle die gleichen – ursprünglich als rebellisch konzipierten –  Leder-Taschen vom Vetements-Designer, diesmal für Balenciaga spazierenschleppen:

  
                                                                                                       Foto: Acielle Tanbetova für New York Times

Beschriftete T-Shirts sind als Idee schon etwas erschöpft (http://janablog1.blogspot.de/2016/02/wieder-worter.html), nicht weil es nicht Spaß machen würde, sondern weil es so schwer ist gute Texte zu finden. Das
T-Shirt von Dior zum Beispiel das behauptet, dass wir alle Feministinnen sein sollten ("WE SHOULD ALL BE FEMINISTS") wirkt ein bisschen oberlehrerhaft, wurde aber fleißig von (gefühlt allen) Teilnehmerinnen der Couture-Fashion Week in Paris in diesem Januar 2017 getragen:


Foto: Acielle Tanbetova für New York Times
Dieses Foto zeigt gut, wie das Must-Have- Dior-T-Shirt
aussieht - getragen natürlich auch von einer der erfolgreichsten
Mode-Bloggerinnen Chiara Ferragni 

Hier jedoch sehen wir bei dem Herrn rechts, wie künstlich, abgeschmackt und längst jenseits von Cool so manche Variante aussehen kann. Er wurde übrigens sehr gerne und mehrfach fotografiert und veröffentlicht, war also erfolgreich mit seinem Outfit:  

Foto: Acielle Tanbetova für New York Times

Zum Schluss noch
die perfekte Jeans dieser Tage, optimal getragen! 

Man beachte, sie muss ausgefranst sein und der Vorteil dieses Looks: Ihr deckt noch einen zweiten Trend ab, nämlich den

T-Shirt und drüber ein Spaghettiträger-Top-Trend“. Damit könnt ihr übrigens auch sofort anfangen, indem ihr statt eines T-Shirts einen dünnen Rolli nehmt! 

Foto: Phil Oh für Vogue


Jetzt seid ihr für den Frühling/Sommer 2017 perfekt vorbereitet – oder?? 
Welchen Trend hättet ihr hier noch gern gesehen?




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Mittwoch, 18. Januar 2017

Monstrous Regiment









Einfache Lösungen an Fakten vorbei? Das wäre schön. Wer die verspricht, hat einen Vorteil.

Wir modernen Menschen können einem solchen Phänomen allerdings nicht aufsitzen. Wir orientieren uns an fundierten Informationen, können Komplexität aushalten und Eindeutiges ist uns eher verdächtig. Denn wir sind die Guten, diejenigen die offen sind, globalisiert, umweltbewusst, tolerant und vor allem: intelligent!

Wirklich?

JanaBlog jedenfalls schafft es im Privatleben(!) nicht immer

nicht vorschnell Schlüsse zu ziehen und
Sachverhalte nicht ungebührlich zu vereinfachen

und das macht durchaus was aus!




Die folgenden Beispiele werden euch vielleicht längst klar sein,

JanaBlog jedenfalls wird seit Jahren ganz einfach im Alltag vor Augen geführt, 
wie unbekümmert sie sich Informationen nicht nur in der virtuellen, sondern in der analogen Welt einbildet – lange bevor es Fake-News gab – 
und wie wenig Ahnung sie dabei von der Welt hat:

Beim Floristen empörte sie sich fleißig mit dem ahnungslosen Automatismus eines Umweltbesorgten als sie hörte, dass jeden Morgen ein großes Flugzeug aus Südamerika mit frischen Rosen ankommt, die sie dann preiswert kaufen kann. Das ganze CO2! Da entgegnete der Fachhändler cool, das wäre ganz im Gegenteil sehr gut für die Umwelt.*

JanaBlog-Annahme: Schuhe mit Absätzen tragen ist schlecht für Füße und Rücken! Das zumindest weiß doch jeder!
Leider falsch, wir sollten alle Absätze tragen!**

JanaBlog dachte, wir Deutschen wären unglaublich Umwelt-vorbildlich, Nummer 1 sozusagen. Wir trennen, fahren Fahrrad, und bilden uns einiges darauf ein. Sie fiel dann hinten über als sie vor ein paar Jahren sah, dass Deutschland auf der Liste der umweltfreundlichen Nationen nur im Mittelfeld war.***

Schon lange spendet JanaBlog nur noch Kleidung vor Ort in Deutschland, weil ihr eines Tages nach Jahren von Teilnahme an konventionellen Kleidersammlungen aufgegangen ist, dass sie damit nicht Gutes, sondern Schlechtes bewirkt hat.****

Jüngstes Beispiel: Am ersten Tag des Plastiktüten-„Verbots“ im Einzelhandel fühlte sich JanaBlog mit ihrer so umweltfreundlich aussehenden Papiertüte richtig gut. Bis sie am nächsten Tag las, dass die Maßnahme nicht nötig, sondern eben eher zum Wohlfühlen ist.*****


Ist schon klar, wir können nicht alles andauernd durchdenken, an allem zweifeln, und wir wollen uns alle als "die Guten" fühlen.

Und gut fühlt sich beispielsweise an zu behaupten, dass Bildung die Lösung wäre. Aber entgegen anderslautender Gerüchte – man kann es nicht oft genug betonen –
hat die chronische Vereinfacheritis nichts mit dem Bildungsgrad zu tun. Sie findet sich überall – ob am rechten Rand oder in angeblich fortschrittlichen Akademiker-Vierteln. Die Hochburg von denjenigen, die beispielsweise als Impfgegner generell “nicht an schulmedizinische Studien glauben“, ist nun einmal der Prenzlauer Berg.******

Jetzt was macht es überhaupt aus? Ist es nicht

Privatsache?

Wenn‘s einen selbst betrifft, meistens.
Wenn es Kinder betrifft, schon schwierig.
Und stimmt, nicht alle von uns beeinflussen andere Menschen,
nicht alle von uns erziehen Kinder und Enkel, nicht alle sind wir Aktivisten oder Politiker,
Lehrer, Chefs oder Journalisten, aber immerhin:

Jeder von uns trifft Entscheidungen, und

wir gehen wählen!

Was zumindest fürs Letztere bisher immer wieder unbewusst geholfen hat war der wohlbekannte Spruch „Nach uns die Sintflut“.
Nun hat sich aber leider ein zeitgenössischer Schriftsteller Gedanken dazu gemacht:

 „… Der Ausdruck »Nach mir die Sintflut« wird mal Louis XV. zugeschrieben, mal seiner Mätresse Madame de Pompadour. Er beschrieb ziemlich gut meinen allgemeinen Geisteszustand, aber es war das erste Mal, dass mich ein unbehaglicher Gedanke durchfuhr:

Was, wenn die Sintflut vor meinem eigenen Tod käme?“*******


                                                        … Da nimmt JanaBlog dann doch lieber schnell etwas Leichteres zur Hand und versucht sich an dem tiefsinnigen Unterhaltungs-Autor Terry Pratchett zu orientieren:

„The presence of those seeking the truth is infinitely to be preferred to those 
who think they've found it."
                                                                             Aus dem Roman
                                                                             „Monstrous Regiment“






Zu all den Sternchen:
Alle diese Informationen ohne Gewähr – manches hat sich in der Zwischenzeit sicher geändert. Dies ist nur eine Skizze zum Einfühlen in die Tatsache, wie schwankend das Floß unseres Welt-Wissens in Wahrheit ist. Bezeichnenderweise hat JanaBlog diese „Informationen“ in ihrem Privatleben(!) nicht vollständig nachrecherchiert sondern verließ sich zum guten Teil auf Experten – wie bei einer Autoreparaturwerkstatt oder einem Arzt :

*Rosen:  …Denn durch Einführung der Rosen-Bomber konnten viele Treibhäuser in Holland, Norditalien und Dänemark schließen, die für die Rosenzüchtung heftig beheizt werden mussten und damit wurde CO2 eingespart.

** Absätze: … Das Gegenteil ist der Fall: Die Physis des zeitgenössischen Menschen ist mittlerweile so verändert, dass durch eine generelle Anspannung die hinteren Muskulatur von Rücken bis Fuß herunter so verkürzt ist, dass ein Absatz bis 4 cm in vielen Fällen sogar besser sein kann als flache Schuhe! Auch für Männer!!(Auskunft der angesehensten Schuheinlagen-Macher Hamburgs)

***Was hat den Unterschied zu JanaBlogs Wahrnehmung der Deutschen als Umwelt-Weltmeister ausgemacht? All das Mineralwasser! Die Otto-Normalverbraucher-CO2-Bilanz wird dadurch ruiniert, dass uns das Mineralwasser von weit her gebracht wird. Eine neuere Liste hier für euch, Deutschland ist immer noch nicht Nummer 1: http://www.ingenieur.de/Themen/Klima-Umwelt/Die-20-umweltfreundlichsten-Laender-Welt

**** Zigtausende Beschäftigte der Textil-Branche in Afrika haben ihre Jobs verloren, weil ihre Länder mit geschenkten Klamotten überschwemmt wurden (während die Zwischenhändler daran verdienten). Gut gezeigt in "Der Altkleider-Irrtum", Dokumentation WDR von Dieter Könnes.

Unter anderem: Papier sei Plastik nicht vorzuziehen, weil es viel mehr Energie und Ressourcen bei der Herstellung verbraucht und die Umwelt noch mehr belastet. Auch der Baumwollsack, der Nachfolger der Jutetüte, ist nicht per se die bessere Wahl. … Außerdem:
Die Plastiktüten-Verwendung in Deutschland sei eigentlich überhaupt kein wirkliches Problem…
****** Zum Prenzlauer Berg: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/lobo-kolumne-pseudoskepsis-zweifelt-an-allem-ausser-an-sich-selbst-a-1016636.html

******* Zitat zur Sintflut: aus „Unterwerfung“, von Michel Houllebecq



Fotos:

King Kong: Gesehen in Heidelberg, Antiquariat T. Hatry

Brutal …: Ein Buch von M&C Saatchi
https://www.amazon.de/Brutal-Simplicity-Thought-Changed-World/dp/0091957028
Dieses Buch hat eigentlich fast nichts mit JanaBlogs Gedankengängen zu tun, der Titel ist aber großartig! Müsste man auf Tassen, Seifen und T-Shirts drucken!




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Dienstag, 10. Januar 2017

Eat Glitter







Hilft euch Aberglaube?

Nun sagt jetzt nicht, dass ihr nicht abergläubisch seid: 
Glücksbringer aller Art zu Prüfungen und Jauch-Millionärs-Sendungen mitnehmen,
Ballern zu Silvester,
Sachen nicht be-schreien wollen,
auf Holz klopfen,
seinen Geburtstag auf keinen Fall vorfeiern ….

Geburtstag nicht vorfeiern ist übrigens eine deutsche Spezialität, andere haben da nicht so abergläubische Probleme. Aber interessant: Zu Silvester 2016 ist selbst in Deutschland plötzlich ein Trend entstanden, der sich um Aberglauben nicht mehr scherte oder einen neuen kreierte: Statt direkt nach Mitternacht oder am 1. Januar zum neuen Jahr zu gratulieren, trudelten diesmal (nicht nur) bei JanaBlog die Glückwünsche zum neuen Jahr den ganzen Silvester-TAG über ein. Der Wunsch das Jahr endlich zu beenden war wohl so groß, dass wir es geradezu magisch dazu zwingen wollten, ganz schnell zu Ende zu gehen...

Wer nicht glaubt, dass selbst bei uns – und sei es als Ironie –
archaischer Aberglaube herumgeistert (noch heute glauben viel zu viele Menschen auf der Welt wie in Urzeiten, dass sie durch das Essen von bestimmten Tier-Teilen (Tiger-Knochen, Nashorn-Staub, Elfenbein …) die Kraft der verspeisten Tiere für sich gewinnen), muss sich nur
die folgende Schilder-Überschwemmung anschauen. Nach dem Motto: Mit Diamanten ist schon ganz schön, mit Glitzer geht‘s auch:



Ist allerdings ein Fortschritt im Vergleich zur Tötung seltener wilder Tiere. Dieser Trend ist übrigens weltweit, dieses Foto stammt aus Montreal:
  



Und in Berlin hat man dann natürlich gleich einen ironischen Kommentar parat:







Blogger als moderne „Dichter“ jedenfalls sind mit Aberglauben auf der sicheren Seite. Sie haben nämlich den Segen der höchsten deutschen Literatur-Instanz:

Der Aberglaube ist die Poesie des Lebens;
deswegen schadet‘s dem Dichter nicht abergläubisch zu sein.

                                             (Johann Wolfgang von Goethe, Maximen und Reflexionen)


In diesem Sinne: Toi toi toi, her mit dem Glitzer, weiter so – oder?! 






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Donnerstag, 29. Dezember 2016

Wunderkerze?








Gesehen bei Kerzilein




Skeptisch dürfte die Menschheit all die Glücksbringer für das Jahr 2016 im Nachhinein betrachten, und eher behutsam in die Silvester-Feierlichkeiten gehen.

Aber JanaBlog sagt:

Schluss mit dem Gejammer über das Jahr 2016, jetzt sind Taten gefragt!

Hier der JanaBlog-Service, mit den besten Neujahrswünschen für euch:





Anleitung:

1. Diesen Blog Post ausdrucken.
2. Entlang der Perforierung das Jahr 2016 ausschneiden.
3. Zu Silvester um Mitternacht diesen 2016-Papier-Abschnitt feierlich verbrennen.
4. Den verbliebenen zuversichtlichen(!) Abschnitt für 2017 als Talisman gut aufbewahren.



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   2016




  

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Gesehen bei Present & Paper in Berlin




5. Oder man kann den 2017-Abschnitt einfach in die große Lostrommel des Lebens werfen, wie ein Lotterielos,

und voller (wenigstens minimalen) Grundvertrauens ins neue Jahr springen.

Was sonst?







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Donnerstag, 22. Dezember 2016

Schutzengel







Eigentlich ist einem doch in diesem Jahr statt nach einem Weihnachtsmann/Christkind 
nach einem Krampus (heutzutage auch bekannt als Vorläufer des Teufels/Begleiter des Nikolaus http://janablog1.blogspot.de/2015/12/krampus.html):




Denn es fühlt sich ein wenig so an als ob der zarte Nikolaus-Gedanke gegen den Krampus-Gedanken etwa in diesem Größen-Verhältnis stünde:




Und eigentlich hätte man am liebsten so eine furchterregende Figur neben sich, die andere Angst einflößende Erscheinungen abschrecken kann.

Das Christentum hat das Erscheinungsbild unseres Beistands gegen die Dunkelheit in seiner Form etwas verändert und ihn Schutzengel genannt. Wie stark der in Wirklichkeit ist, ist ungewiss – hier lässt ein Künstler einen Engel sogar ganz eigenständig die Geschenke bringen (oben rechts*):




Wem das nicht stark genug ist, kann immer noch mit dem kräftigen Rot dieses Herren vorlieb nehmen (der hier auf der bezaubernden Weihnachtskarte** bemerkenswerterweise sogar das Christkind zur Bescherung mitbringt, Mitte links):




Egal ob mit unheimlichen Helfern, 
starken Schutzengeln oder 
einem väterlichen Weihnachtsmann,

JanaBlog wünscht euch allen ein


wunderbares Weihnachtsfest, das vor allem dafür steht,

dass wir Menschen füreinander da sind

und uns gegenseitig Wärme und (nicht nur weihnachtliche) Geborgenheit geben können.






Ähnliches von JanaBlog:



*Detail aus der Weihnachtskarte von Edition Tausendschön, Copyright Behr Design












**Detail aus der Weihnachtskarte von Edition Tausendschön, Copyright Behr Design














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