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"Maman",
Bronze, Stahl, Marmor, Louise Bourgeois, 1999
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Eure Mutter als Spinne darstellen - wie fände sie das wohl?
Manche behaupten, das könnte man sehr positiv sehen, als
Hommage an die Mama.
Aber vielleicht sollten wir nicht auf alles hören, was uns (Kunsthistoriker) so
sagen.
"Maman" heißt diese gigantische Spinne einer der wichtigsten
Künstlerinnen unserer Zeit, Louise Bourgeois (1911-2010) und, soll laut so
mancher Kunstexperten als "positiv besetzte Figur (der Spinne) als Hommage
an ihre eigene Mutter" von Bourgeois verstanden worden sein, und:
"Das unermüdliche Wiederherstellen und Restaurieren von Gewebe, das auch
Spinnen eigen ist, wird zugleich zu einem Symbol für das unendliche, sich
wiederholende und erneuernde Leben im Allgemeinem."*
Dazu muss man wissen, dass Bourgeois' Mutter Weberin war. Dass Bourgeois
selbst sehr sauer war auf ihren Vater, der die Mutter mit Bourgeois'
Kindermädchen betrogen hat. Dass sie selbst zu ihrem Werke gesagt hat:
"
Ich vergebe nicht und ich vergesse nicht. Das ist das Motto, das
meine Arbeit nährt.“ **
Und dass sie zwar gesagt hat,
"My best friend was my mother and she was deliberate, clever, patient,
soothing, reasonable, dainty, subtle, indispensable, neat, and as useful as a
spider"
(Bernadac & Obrist 1998 p.321)
"Meine beste Freundin war meine Mutter, und sie war überlegt, klug,
geduldig, besänftigend, vernünftig, anmutig, feinsinnig, unverzichtbar,
ordentlich und so
nützlich wie eine Spinne."
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"Maman",
Bronze, Stahl, Marmor, Louise Bourgeois, 1999
So sieht die Spinne aus, wenn
das Wetter nicht ganz so fröhlich ist
Foto: Trisha McCrae |
Aber: sie hat sehr wohl auch Hinweise darauf gegeben, dass ihre Beziehung zu
ihrer Mutter so einfach nicht war. Und dass sie ihrer Mutter möglicherweise
vorgeworfen hat, dass sie sie (und sich?) nicht besser geschützt hat, also nichts
gegen den Verrat des Vaters unternommen hat zum Beispiel.****
Aber all die Theorie brauchen wir ja vielleicht gar nicht.
Ich habe noch niemanden getroffen (und glaubt mir, ich frage jetzt JEDEN), der
die Spinne als eine Erfahrung von Geborgenheit erlebt. Für alle meine
Gesprächspartner hat es etwas zutiefst beklemmendes, selbst wenn man kein
Problem mit Spinnen hat. Die Menschen einwebend,
übermächtig, gefährlich,
erstickend, das waren eher die Adjektive.
Und wozu webt denn eine Spinne ihre Netze? Doch nicht zur Bewahrung oder
Wiederherstellung von Leben sondern - seien wir ganz offen: zum Töten kleinerer
schwächerer (Insekten).
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Offizieller
Flyer der Ausstellung
Foto:Peter Bellamy |
Man darf sich nicht von dem
fröhlichen Lächeln von Louise Bourgeois
unter einer ihrer kleineren Spinnen täuschen lassen, denn
ihr sonstiges Werk
spricht eine andere Sprache:
"Lady in Waiting" (übers.:Hofdame, Zofe) heißt die Puppe auf dem mit
Gobelin bespannten Sessel (der wiederum nur eine Anspielung auf die
Mutter/Weberin sein kann).
Die arme kleine Puppe ist ohnehin schon komplett mit Gobelin-Stoff bezogen, und
in ihren Mund führen zwei (Spinn-Weben?-)Fäden.
Das Schlimmste aber:
mitten aus ihrem kleinen Körper brechen
Stahl-Spinnen-Beine heraus, aggressiv und sicher schmerzlich, so als ob die
Stahl-Spinne sich bereits so in ihr angesiedelt hätte, dass sie ihren Körper
nun ganz übernimmt.
Keine positive Hommage, sondern echte Zombie-Situation!
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"Lady
in Waiting" von
Louise
Bourgeois
Foto:
Christopher Burke
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Macht euch selbst ein Bild.
Die äußerst empfehlenswerte
Ausstellung in der Kunsthalle Hamburg (mit der
Spinne direkt neben der Kunsthalle) läuft noch bis 17.6.2012.
* Flyer zur Ausstellung Passage Dangereux, Hamburger Kusthalle
**Kulturzeit extra, Alles ist möglich, 3sat
***(Bernadac & Obrist 1998 p.321), mehr auf :
http://www.artandeducation.net/paper/louise-bourgeois-maman-from-the-outside-in/
**** Selbst Laien finden innerhalb kürzester Zeit im Internet Hinweise
darauf!Noch einmal der Hinweis auf
http://www.artandeducation.net/paper/louise-bourgeois-maman-from-the-outside-in/