Freitag, 3. Februar 2012

Mach mich fertig

(Oder: Merkwürdige Buchtitel)



Das erste habe ich in der Kinderabteilung einer angesehenen Buchhandlung gesehen, und zuckte erst mal zusammen. Ich finde, da hat wirklich jemand nicht mitgedacht, oder?

( Zu eurer Beruhigung: es ist ein Buch zum selber- gestalten, man kann da (O- Ton Buchbeschreibung: "… eine Seite schminken, Bilder weitermalen, Kleidung entwerfen, mit Nagellack malen, ein Zimmer einrichten und vieles mehr")

Dann: Von der Mafia lernen habe ich in einem Wirtschaftsmagazin gesehen, also wirklich... bin ich altmodisch oder wollen wir nicht möglichst wenig Mafia- Elemente in unserer Gesellschaft haben?

Und schließlich das Knie Gottes: in der Auslage der ernsthaftesten Buchhandlung die ich kenne, brachte mich sofort zum Schmunzeln: Nicht gerechnet habe ich damit, dass die Beschreibungen und Kritiken so gut sind, dass ich richtig Lust bekam, es mir selbst zu kaufen!

(Auszüge aus Kritiken und Beschreibung:
„Eigentlich hätte dieser Roman den Deutschen Buchpreis gewinnen müssen (…). In diesem Roman finden sich Sätze, wie man sie so in der deutschen Literatur noch nicht gelesen hat. (…) ‚Kunst verstehen heißt sie kaufen.‘ Das gilt uneingeschränkt auch für diesen Roman.“ (taz )


„Man kann ‚Das kaputte Knie Gottes‘ als gute Unterhaltungsliteratur verbuchen. In Wahrheit ist dieser Roman aber etwas viel Schöneres: unterhaltsame Literatur.“ (Süddeutsche Zeitung )

„Ein Werk für alle, die den einen Horst (Schlämmer) so gut finden wie den anderen (Schimanski), für Ruhrgebietsfreunde wie für Kunstbetriebsverächter...( Stern) )

Kennt jemand von euch vielleicht eins dieser Bücher?

Dienstag, 31. Januar 2012

Artigarchen

Warum ist zeitgenössische Kunst so teuer geworden?

Und was hat das mit uns zu tun?

Diese Frage bereitet den meisten von uns zwar nicht eben schlaflose Nächte, aber mitbekommen haben wir es alle: die aberwitzigen Preise auf dem Kunstmarkt, die zugleich ein Spiegel sind für die neuen Entwicklungen in unserer ökonomischen Welt. Und die wiederum einen Einfluss auf unsere ganz persönliche kulturelle Welt haben könnten, denn: welcher Künstler gefördert wird, welche Kunstrichtungen von den Mäzenen unserer Zeit begünstigt werden, könnte sich mit der Zeit darauf auswirken, welche Bilder sich eines Tages unsere Kinder als Klassiker in ihrem Kunstunterricht einprägen.

Normale Millionäre, die zugleich Kunstsammler sind, haben es heute schwer.
Denn aus den BRIC- Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) kaufen sich die Oligarchen ins westliche Kulturleben einfach ein.

Zum Beispiel Gerhard Richter, der teuerste, erfolgreichste lebende Künstler**. Früher konnte man einen Richter für sechsstellige oder niedrige siebenstellige Beträge erwerben, jetzt kommt man erstens nicht mehr ran und zweitens sind die russischen Milliardäre verrückt nach Richter und kaufen ihn zum zehnfachen dieser Preise auf!!

Einige Faktoren*:
Gerhard Richter


- Der Prestige-Faktor.

Eine Yacht, Autos, Häuser sind irgendwie noch praktische Gegenstände, Kunstwerke nicht. Man kann zeigen, dass man so viel Geld hat, dass man es einfach mit vollen Händen weggeben kann, einfach so (Hauptsache die anderen erfahren es. Und dass tun sie, denn mit den gezahlten Preisen wird sehr ungeniert angegeben.)


- Orientierung.

Es ist leichter sich am Preis zu orientieren, als an der schwierigen Frage, wie gut das Kunstwerk wirklich ist und ob es einem gefällt. Nach dem Motto: Wenn es teuer ist, wird es bestimmt gut sein.


- Die Jagd ist aufregend.

Das Suchen und Entdecken und Erjagen von neuen Kunstwerken macht so viel Spaß, dass es wichtig ist, Zeitgenössisches zu suchen. Denn die alten Meister zum Beispiel sind so ausverkauft, dass es keinen Spaß mehr macht danach zu suchen. Dagegen Künstler, die viele Kunstwerke produzieren und die noch leben, mit denen man sich also auf Parties schmücken kann, die ermöglichen echte kompetitive Jagden!
Deshalb sind übrigens auch die großen Kunstmessen wie die Art Basel so beliebt: dort kann besonders sichtbar und Party-intensiv gejagt werden.


- Kultureller Einfluss auf die Gesellschaft.

Den kann man sich kaufen, indem man Trends initiiert: Man gibt sehr viel Geld für ein paar Werke eines neuen Künstlers aus, und schon denken die Oligarchen-Kollegen, dass sie auf diesen Zug aufspringen müssen.
Das verschafft Ansehen.
Man kann versuchen wie ein Mäzen zu wirken.
Einige sprechen von ihren Käufen als eine Art Opfer oder Gabe für den Künstler zum Wohl der guten Kunst!

Steigern lässt sich dies durch die beliebt werdende Ankündigung, man werde das Kunstwerk nicht verkaufen, selbst wenn es im Wert steigt, oder, man würde es nur verkaufen, um den Erlös den eigenen wohltätigen Stiftungen zukommen zu lassen.


Das jedenfalls nenne ich Reichtum. Das Geld für ideelle Werte, ohne Spekulationsabsicht ausgeben. Lasst uns hoffen, dass davon nicht nur das Image der Käufer und wohltätige Stiftungen (löblicherweise) profitieren, sondern dass auch die Qualität der Kunst eine gebührende Rolle spielen wird- wenn nicht jetzt, dann doch vielleicht in Zukunft!




*Frei nach einem Artikel aus der Newsweek, 12.12.2011, von Blake Gopnik
**Der demnächst seinen 80. Geburtstag feiert und eine wunderbare Ausstellung in Berlin haben wird, von Mitte Februar bis Mitte Mai.

                                              
(Erstes Foto: Kunstwerk eines unbekannten Künstlers in der Artbanka, Prag (vgl. Post vom 2.11.2011) http://janablog1.blogspot.com/2011/11/keine-inneneinrichtungstendenz.html)

Montag, 30. Januar 2012

Warm

(Aus der Reihe: Darreichungsformen)


Es gibt Bilder, auf denen der Winter so gut abgebildet ist, dass einem kalt wird. Dies hingegen sollen Bilder sein, die Wärme erzeugen.

Sehr schön als Beispiel* dafür: "Der warme Spazierstock“ von Beuys: ein kupfernes Rohr in Form eines Spazierstocks, und in der Mitte ordentlich viel Filz um ihn herum gewickelt. Auch Gegenstände sollten nicht frieren!






Die Schuhe habe ich vor kurzem bei Zara gesehen, die Mützen beim Schuhgeschäft Gundlach, das Kunstobjekt (pardon, offizieller Name: Atmungsobjekt) auf der Art Cologne: man muss sich nur davor stellen und sieht, dass es atmet, ganz wie ein Tier, so gut gemacht dass man absolut überzeugt ist: das ist eines!

Hauptsache warm...


Günter Weseler, ohne Titel, von 1980, Atmungsobjekt






























*Dazu gibt es leider – auch im Netz – kein Bild, das schön genug für euch wäre. Ihr könnt ihn aber dennoch sehen wenn ihr "warmer Spazierstock Beuys" googelt.