Freitag, 13. Mai 2011

Ausnahme: Computerspende. Weitersagen!

-Ausnahme: dieser Blog ist normalerweise nicht der Ort für Vereins- oder Spenden-Themen.
-Hamburg-Foto: die großartige Aktion, die ich gleich beschreiben werde, findet in Hamburg statt.
-Computerspende: ein Ehepaar, selbst Hartz IV-Empfänger, organisieren Computer-Spenden für Hartz IV-Empfänger.
-Weitersagen! Denn:
Bei einigen hält sich immer noch hartnäckig das Gerücht, dass man in Deutschland doch selbst mit sehr wenig Geld sehr gut leben könne. Und einen Internet-Zugang sehen dabei alle als völlig selbstverständlich an.
Das ist nicht der Fall! Ich beschränke mich auf diesen einen Computer-Aspekt:
Hartz IV-Bezieher haben keinerlei Anspruch auf einen Computer! Begründung der Gerichte (neuestes Urteil offensichtlich vom Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen) diesbezüglich: ein Haushalt lasse sich problemlos ohne PC führen und Fernseher und Radio würden die Grundversorgung mit Informationen abdecken (Wie sich auf diese Art und Weise ein Hartz IV-Empfänger in der heutigen Zeit bewerben soll, ließen die Richter offen).

Ja, ich weiß, bei der Supernanny sieht das netter aus, aber in der Realität ist das Ergebnis: viele Hartz IV-Kinder wachsen mitten in Deutschland ohne Zugang zum Internet auf, und ihre Eltern können sich selbst bei gutem Willen ohne PC, Drucker und Internetzugang nicht wirklich informieren und bewerben.

Wer gestern den entsprechenden Bericht in der Süddeutschen Zeitung gelesen hat, braucht nicht weiter zu lesen. Das oben erwähnte Ehepaar, Ehepaar Matzen, hat vor zwei Jahren den Verein "Computerspende Hamburg gegründet. Sie nehmen in ihren billig angemieteten Räumen in Rahlstedt gespendete Geräte, also PCs, Scanner und Drucker an, die auch ruhig kaputt sein können, denn: bis zu 10 Stunden am Tag verbringt der Ehemann damit, die Second Hand-Geräte zu testen und zu reparieren. Aus Geräten, die manchmal nur drei Jahre alt sind und auch von Angestellten großen Firmen gebracht werden, weil sie nicht mehr gebraucht werden, werden damit brauchbare Geräte für Hartz IV-Empfänger.

Das Ehepaar verdient keinen Cent mit den Schenkungen, aber die Tränen der Rührung der Erwachsenen und ihrer Kinder, die häufig damit zum ersten Computer ihres Lebens kommen, sind zutiefst bewegend.

www.computerspendehamburg.de
(Neben Computern würde sich das Ehepaar Matzen darüber freuen, wenn sich zum Beispiel eine Firma bereit erklären würde, eine Stelle für ihren Verein zu finanzieren.)

Mittwoch, 11. Mai 2011

Nabel der Republik? Borchardt!

Wenn man sich so richtig in der Hauptstadt Berlin fühlen will und nur einen Abend hat, empfiehlt es sich im Restaurant Borchardt zu reservieren.
Vor allem unter der Woche ist es sehr interessant, da sich tatsächlich ganz Berlin dort trifft (Politiker, Künstler, Fernseh-Größen aus allen Kategorien). Das Essen ist nebensächlich, obwohl sehr gut (tolles Wiener Schnitzel, Steak oder ganz einfache kleinere Sachen). Im Wesentlichen ist es aber eine Theateraufführung, die sorgfältig inszeniert wird, wie auf einer Bühne:
In der Mitte werden möglichst schillernde Persönlichkeiten platziert, die den größten Unterhaltungswert haben. Direkt angrenzend wichtige Leute, die ein bisschen Diskretion brauchen, Politiker zum Beispiel. Also Mitte: gerne TV-Promis, Topmodels (Top- im wesentlichen nur während der Fashion Week!), Möchtegern- und Normalo- Models, Ex-Models (Botoxalarm!). Und ihre Begleiter: die Musikproduzenten.
An den Rändern dann die unauffällig-interessanten Menschen, Journalisten, kluge Leute, aber eben nicht bekannt aus Fernsehen meistens. Und natürlich: der gelegentliche, jedoch meist unauffällige Tourist.

Hier ein paar Tipps, wie man vom Borchardt-Theater profitieren kann:

-Outfit (für die mittlere Sektion Pflicht!):
Als Mann: Entweder Anzug oder Gel ins Haar, zweitens am besten eine langbeinige Blondine dabei haben.
Als Frau (natürlich aufwändiger): die neuesten Designer-Klamotten anziehen, die aktuellste Hermès-Handtasche dabei haben, aber das wichtigste: in die allerhöchsten Higheels schlüpfen, die man finden kann!
Jetzt, entscheidend: mit diesen Higheels regelmäßig zur Toilette und zu zahlreichen Rauchpausen (Gott sei Dank gibt es die nun!)  in sorgfältig ausgewählten Grüppchen langsam, etwa wie Giraffen durch das Restaurant staksen! (Im Sommer natürlich Tische im Innenhof im Freien, dennoch: Rauchpause vielleicht dennoch vor dem Restaurant geeignet, um gesehen zu werden!)
-Wenn man eine aufstrebende deutsche Band ist, bitte etwa gegen 22,23 Uhr herein geschlendert kommen (je nach Stil: Kaugummi kauen!), um in der Mitte des Restaurants aufwändig den eigenen Musik-Manager zu begrüßen und sich auffällig niederlassen (möglichst vorab viel zu wenig Stühle reservieren, um eine aufwändige Tisch-Zustell-Aktion initiieren zu können). Die Köpfe der Gäste am Rand des Restaurants drehen sich einem dann wie Sonnenblumen-Köpfe der Sonne zu.

Das reicht natürlich noch nicht: In diesem Borchardt-Spiel gewinnt, wer – – am meisten steht! Es gibt immer mindestens zwei, die herumstehen und andere Gäste an verschiedenen Tischen begrüßen (augenscheinlich: ob diese wollen oder nicht), von anderen auffällig begrüßt werden, und möglichst immer wieder laut lachen! (Typisch: sehr prominenter Vertreter der Modebranche, plus ein sehr (physisch) großer Politiker)

Mit diesen Basics ausgerüstet, viel Spaß!

Jetzt kommen natürlich sicherlich zwei Fragen: erstens: was ist, wenn ich ein Normalsterblicher bin oder Tourist, der keine Zeit hatte (oder gar: keine Lust hatte!) Higheels anzuziehen?:
Nicht verzagen, denn dieses Problem löst sich praktisch von selbst:
auch wenn man keine Higheels trägt, merkt man an sich selbst, bereits am Eingang und erst recht beim Gehen durch den Saal beginnt sich der Körper unwillkürlich wie auf Higheels zu bewegen, damit man einigermaßen unauffällig durch das Restaurant kommt. (Möglicherweise würde es nicht mal auffallen, wenn man einfach nur so auf Zehenspitzen laufen würde)

Nächste Frage: warum sollte man überhaupt hingehen?
Es ist einer der wenigen Orte, der einen Kult-Charakter in Deutschland besitzt, wo sich sehr Vieles aus unserer Gesellschaft tatsächlich verdichtet. Und: wo kann man schon in aller Ruhe seine Stars beim Abendessen beobachten – wie im Sommer geschehen: Janelle Monáe feierte in aller Bescheidenheit mit ihrer sehr feinen und zurückhaltenden Band ihr damals einziges Konzert in Deutschland! (Ganz ohne Higheels!!)


(Foto: Jacques Olivar, über lumas)

Dienstag, 10. Mai 2011

In der Drogerie: Winter!

Aus der Reihe: Wunder(n) im Alltag

Wunderbarer Frühlings-, bzw. gar Frühsommer-Tag, alle freuen sich über die Sonne und spazieren in Sandalen herum. Dennoch, manchmal braucht man auch im Sommer Streichhölzer, aber als ich in der Drogerie nach den (meines Erachtens vorzuziehenden langen) Streichhölzern greifen will, hält meine Hand inne:

Es gibt tatsächlich nur tief verschneite Landschaften zu sehen. Wer will das denn schon im Moment in seinem Wohnzimmer liegen haben?

Da drängt sich doch die Frage auf: warum??? (Dazu muss man wissen: im Winter dagegen gibt es bezaubernde Sommer-Motive, so wie hier zu sehen).



(Fotos: Motive auf dem Produkt Camino Special)

Montag, 9. Mai 2011

Praxis-Callcenter, VIP-Apotheken, Ärzte-Navi

Erlebt: Callcenter einer Arztpraxis
Benötigt: VIP-Räume in Apotheken
Gelesen: Ärzte-Navi freigeschaltet

Callcenter beim Arzt: morgens rief ich an, hatte Beschwerden und wunderte mich, wie zurückhaltend und zugleich gründlich man mich nach meinem Geburtsdatum und ähnlichem ausfragte um anschließend in aller Höflichkeit zu sagen, man werde beim Arzt nachfragen, wann man mich wird einschieben können. Etwas verwirrt legte ich auf. Ganze dreieinhalb Stunden später hat sich noch niemand gemeldet, ich rief also nochmal bei der Praxis-Nummer an, und es stellte sich heraus: morgens war ein Callcenter am Telefon und hatte meine Nachricht selbstverständlich (selbstverständlich, weil wir Unerfreuliches von Callcentern mittlerweile gewöhnt sind) nicht weitergeleitet! Sehr höflich und nett überbrückte das eigentliche Praxisteam das Problem, aber: ist das wirklich nötig? Ist das die Zukunft?

VIP in Apotheken: immer schon dachte ich, dass man sich doch manchmal ein bisschen ausgeliefert fühlt, wenn man bestimmte Medikamente oder sogar Beschwerden am Apotheken-Tresen äußert, weil so viele Fremde mithören können. Letzthin stand sogar eine extrem prominente Dame neben mir an der Theke und es wurden lautstark ihre (diesmal unspektakulären: Allergie) Beschwerden und Dosierungen erörtert. Was aber, wenn es etwas Delikates gewesen wäre? Ein Schwangerschafts-Test? Etwas wegen einer ernsthaften schweren Krankheit? Da muss nur ein Journalist im Raum stehen, ein Blogger, Paparazzo oder Neugieriger, und schon steht es in der Zeitung!
Wahrscheinlich sollte ich mir diese Idee von Apotheken bezahlen lassen: im harten Wettbewerb der Apotheken könnte doch helfen, einen separaten Diskretions-Raum anzubieten, und nicht nur für VIPs, sondern auch zum Beispiel für diejenigen, die in der Nähe ihrer Arbeitsstelle eine Apotheke in Anspruch nehmen oder diejenigen mit neugierigen Nachbarn, da würden sich bestimmt viele freuen!

Navi: laut Medien-Meldungen können ab sofort Mitglieder der AOK und der Barmer GEK niedergelassene Ärzte im Internet bewerten und sich bei der Suche nach einem geeigneten Arzt an den Einträgen anderer orientieren.
Meine Erfahrung: beinahe jeder hat mindestens eine Grusel-Story, die er mit schlechten Ärzten erlebt hat. Anders gesagt: die Ärzte-Qualität in Deutschland gibt, wie wohl allgemein bekannt, wirklich Anlass zur Sorge, deswegen gibt es zu dieser Maßnahme nur eins zu sagen: sehr erfreulich!
Nun gilt es dafür Werbung zu machen, weitere Krankenkassen hierzu anzuregen und möglichst viele Patienten zu bitten, ihre Erfahrungen, die schlechten genauso wie die guten, online zu stellen!

(Foto: Edgar-Karten)