Samstag, 12. Mai 2012

Süßes Kännchen






Dies ist für all diejenigen, die sich auf den morgigen Muttertag süßer einstellen wollen, als es Louise Bourgeois mit ihrer Maman (-Spinne) tut (also im vorangehenden Post!).

Auch geeignet für alle, die noch schnell ein Geschenk suchen, für 14,50 € ist diese Kännchen-Kerze zu haben!



Donnerstag, 10. Mai 2012

Meine Mutter, die Spinne




"Maman", Bronze, Stahl, Marmor, Louise Bourgeois, 1999

Eure Mutter als Spinne darstellen - wie fände sie das wohl?

Manche behaupten, das könnte man sehr positiv sehen, als Hommage an die Mama.
Aber vielleicht sollten wir nicht auf alles hören, was uns (Kunsthistoriker) so sagen.

"Maman" heißt diese gigantische Spinne einer der wichtigsten Künstlerinnen unserer Zeit, Louise Bourgeois (1911-2010) und, soll laut so mancher Kunstexperten als "positiv besetzte Figur (der Spinne) als Hommage an ihre eigene Mutter" von Bourgeois verstanden worden sein, und:
"Das unermüdliche Wiederherstellen und Restaurieren von Gewebe, das auch Spinnen eigen ist, wird zugleich zu einem Symbol für das unendliche, sich wiederholende und erneuernde Leben im Allgemeinem."*

Dazu muss man wissen, dass Bourgeois' Mutter Weberin war. Dass Bourgeois selbst sehr sauer war auf ihren Vater, der die Mutter mit Bourgeois' Kindermädchen betrogen hat. Dass sie selbst zu ihrem Werke gesagt hat:

"Ich vergebe nicht und ich vergesse nicht. Das ist das Motto, das meine Arbeit nährt.“ **

Und dass sie zwar gesagt hat,

"My best friend was my mother and she was deliberate, clever, patient, soothing, reasonable, dainty, subtle, indispensable, neat, and as useful as a spider"
(Bernadac & Obrist 1998 p.321)

"Meine beste Freundin war meine Mutter, und sie war überlegt, klug, geduldig, besänftigend, vernünftig, anmutig, feinsinnig, unverzichtbar, ordentlich und so
nützlich wie eine Spinne."

"Maman", Bronze, Stahl, Marmor, Louise Bourgeois, 1999
So sieht die Spinne aus, wenn
das Wetter nicht ganz so fröhlich ist
Foto: Trisha McCrae

Aber: sie hat sehr wohl auch Hinweise darauf gegeben, dass ihre Beziehung zu ihrer Mutter so einfach nicht war. Und dass sie ihrer Mutter möglicherweise vorgeworfen hat, dass sie sie (und sich?) nicht besser geschützt hat, also nichts gegen den Verrat des Vaters unternommen hat zum Beispiel.****

Aber all die Theorie brauchen wir ja vielleicht gar nicht.

Ich habe noch niemanden getroffen (und glaubt mir, ich frage jetzt JEDEN), der die Spinne als eine Erfahrung von Geborgenheit erlebt. Für alle meine Gesprächspartner hat es etwas zutiefst beklemmendes, selbst wenn man kein Problem mit Spinnen hat. Die Menschen einwebend, übermächtig, gefährlich, erstickend, das waren eher die Adjektive.

Und wozu webt denn eine Spinne ihre Netze? Doch nicht zur Bewahrung oder Wiederherstellung von Leben sondern - seien wir ganz offen: zum Töten kleinerer schwächerer (Insekten).

Offizieller Flyer der Ausstellung
Foto:Peter Bellamy
Man darf sich nicht von dem fröhlichen Lächeln von Louise Bourgeois unter einer ihrer kleineren Spinnen täuschen lassen, denn ihr sonstiges Werk spricht eine andere Sprache:

"Lady in Waiting" (übers.:Hofdame, Zofe) heißt die Puppe auf dem mit Gobelin bespannten Sessel (der wiederum nur eine Anspielung auf die Mutter/Weberin sein kann).
Die arme kleine Puppe ist ohnehin schon komplett mit Gobelin-Stoff bezogen, und in ihren Mund führen zwei (Spinn-Weben?-)Fäden.
Das Schlimmste aber: mitten aus ihrem kleinen Körper brechen Stahl-Spinnen-Beine heraus, aggressiv und sicher schmerzlich, so als ob die Stahl-Spinne sich bereits so in ihr angesiedelt hätte, dass sie ihren Körper nun ganz übernimmt.

Keine positive Hommage, sondern echte Zombie-Situation!




"Lady in Waiting" von
Louise Bourgeois
Foto: Christopher Burke




Macht euch selbst ein Bild.
Die äußerst empfehlenswerte Ausstellung in der Kunsthalle Hamburg (mit der Spinne direkt neben der Kunsthalle) läuft noch bis 17.6.2012.


















* Flyer zur Ausstellung Passage Dangereux, Hamburger Kusthalle
**Kulturzeit extra, Alles ist möglich, 3sat
***(Bernadac & Obrist 1998 p.321), mehr auf :http://www.artandeducation.net/paper/louise-bourgeois-maman-from-the-outside-in/
**** Selbst Laien finden innerhalb kürzester Zeit im Internet Hinweise darauf!Noch einmal der Hinweis auf http://www.artandeducation.net/paper/louise-bourgeois-maman-from-the-outside-in/


Dienstag, 8. Mai 2012

Samtleben


(Aus der Reihe: Unsere Buchhandlungen)





Wollen Buchhandlungen keine Bücher verkaufen?
Schließen Sie deshalb genau in dem Augenblick, wenn ihre meisten Kunden kommen?

So läuft es zumindest zum Beispiel in der Buchhandlung Samtleben im Literaturhaus Hamburg.

Ich werde hier nicht darüber reden, wie es denn mit dem eBook versus der Zukunft der normalen Bücher steht, denn für mich steht fest: Das eBook kommt.

Auch alt eingesessene kostbare Buchhandlungen müssen nach und nach schließen, von Buch-Ketten ganz zu schweigen.

Haben sich die Buchhändler in ihr Schicksal ergeben?

Samtleben jedenfalls schon, oder sie verlässt sich auf geheime Finanz-Quellen und das Schicksal ihrer Autoren ist ihr egal, denn: diese Buchhandlung hat tagsüber überhaupt keine Laufkundschaft, um das Literaturhaus herum befindet sich kein Fußgänger-Verkehr.
Also hätte sie die meisten Kunden ca. zwischen 18:45 Uhr und 20:00 Uhr. Denn in dieser Zeit kommen die meisten Besucher der Lesungen oder ganz einfach Gäste des Restaurants im Literaturhaus, warten auf ihre Verabredungen, besetzen ihre Plätze für die Lesung, holen ihre Eintrittskarten ab, nehmen einen Drink, schlendern umher. Die allermeisten natürlich wirklich interessierte Menschen, die Bücher lieben.


Ihr habt es schon erraten: Die Buchhandlung schließt pünktlich um 19:00 Uhr.

Bitte, kann mir jemand erklären, warum das so ist?

Es erinnert ein wenig an die Haltung einiger Kunsthochschulen/Künstler, die ihren Studenten auch eine Haltung einimpfen, die Galeristen und den kommerziellen Markt zu verachten und ohne all das auszukommen. Und damit natürlich möglichst geringen kommerziellen Erfolg und Ausstellungen zu haben.

Das eine ist das kommerzielle: wenn man es als antiintellektuell verachtet, die Buchhandlung finanziell überleben zu lassen, oder einen Galeristen in Anspruch zu nehmen und Geld mit seinen Bildern zu verdienen, ist das ja völlig in Ordnung.
(Auch da gibt es allerdings eine Lösung: Man kann doch das Geld verdienen und sofort weiter spenden, oder?)

JanaBlog-Frage ist aber die folgende:

Geht es bei der Kunst nicht darum, dass möglichst viele Menschen sie zu sehen/zu lesen bekommen? Ist das nicht im Interesse der Künstler, dass ihre Kunst ihren Weg in die Welt hinaus findet?

Oder ist es nicht die Pflicht einer Buchhandlung, und schon gar einer Buchhandlung in einem Literaturhaus, den Künstlern/Autoren eine Plattform in der Öffentlichkeit zu bieten und sie tatsächlich so effizient wie möglich zu vertreten???

Sonntag, 6. Mai 2012

Hochzeitsmonat Mai


(Aus der Reihe: Seltsame Gegenstände)






Dies ist eine Hochzeitstorten-Dekoration (also genauer gesagt: zwei getrennte Varianten!), die man käuflich erwerben kann* und ganz oben auf die möglichst mehrere Stockwerke hohe Hochzeitstorte klebt – – oder??

Oder etwas, was man auf ein besonders merkwürdiges Geschenk klebt?

Auch interessant die Frage: Für welche der beiden Varianten entscheidet man sich?

Sieht eher aus wie eine Art merkwürdiger Eiskunstlauf, also ich weiß nicht…



*Gesehen bei FahnenFleck Hamburg