Mittwoch, 8. Februar 2017

Kinder? Eltern!








Gesehen im Prinzessinnengarten Berlin
Werdet ihr bald was sagen dürfen
wenn Kinder im öffentlichen Raum Grenzen überschreiten und
ihre Eltern wortlos danebenstehen?

Ohne als kinderfeindlich bezeichnet zu werden?

Vermutlich, denn es scheint immer mehr zu brodeln, als ob die Uhr ticken würde, demnächst jemandem der Kragen platzen würde.

Dabei gibt es ungefährliche Formulierungen, die zuallererst diejenigen retten könnten, die am meisten zu leiden haben unter der neuen öffentlichen Kinder-Freiheit:
Die Verkäufer im Einzelhandel.


JanaBlog hat sich noch nie etwas getraut, aber um sie herum braut sich was zusammen:
Ihr kennt das bestimmt auch alle – wenn alle Gespräche im Laden erstorben sind und peinliche Stille eintritt.
Wenn sich alle Blicke zum anwesenden Elternteil des Kindes richten.
Oder wenn im Café um euch herum mehrere Gespräche über ungezogene Kinder auffällig laut stattfinden, gerade in einer Lautstärke, dass es die Eltern hören könnten, aber nicht so, dass es als Angriff wirken würde.
Da scheint es nur noch eines winzigen Schritts zu bedürfen, laut etwas zu den Eltern selbst zu sagen.

Beispiel?

Ein hektischer Samstagvormittag in einer Apotheke in einem Akademiker-Hipster-Viertel in Hamburg: eine Mutter-Kundin mit einem schlafenden Säugling im Tuch und einem etwa achtjährigen Jungen.

Die Mutter hält ungefähr zehn wartende Zukunfts-Kunden auf, indem sie der Apothekerin nach Abwicklung ihrer eigentlichen Bestellung noch Rätsel aufgibt – „…Ich suche eine Creme, die war in so einem grünen Tiegel, ich weiß gar nicht ob ich es aus einer Apotheke hatte, könnten Sie nachschauen? Wie sie hieß weiß ich nicht, …“

Während die Apothekerin hektisch versucht im Computer kreativ zu werden, stützt sich der Achtjährige auf den Tresen, steckt sein Gesicht in ihr Gesichtsfeld und fragt ob er einen „dieser Anhänger“ bekommen könne (er ist anscheinend Profi und war schon ein paar Mal da, als die Apotheke letztens großzügig irgendwelche Schlüsselanhänger für Kinder ausgab).

Die Apothekerin möchte ihm völlig offensichtlich auf sein großspuriges Auftreten hin oder wahlweise: zum zehnten Mal nicht einen Anhänger geben und sagt sie glaube nicht, dass sie noch einen hat.

Was macht der Junge? Er quetscht sich hinter die Ladentheke (auf eine hohe Stufe, hinter den Tresen kletternd wo sich tatsächlich nur die Verkaufenden aufhalten dürfen – in einer Apotheke mit allerlei Medikamenten und sonstigen offen liegenden Dingen –) und sagt, in einer Kiste unter der Kasse wühlend: "Da ist doch noch ein Anhänger!"  Die Mutter vor der Ladentheke sagt nichts, obwohl ihr Baby vollkommen ruhig ist und es auch sonst nichts zu tun gibt – nicht einmal ihr iPhone ist im Betrieb.

Die immer gestresstere Apothekerin hat die zehn wartenden Zuschauer im Blick, nickt dem Jungen mit einem Seufzer kaum wahrnehmbar zu, um ihn loszuwerden, und er quetscht sich mit seiner Beute zurück in den Verkaufsraum.

Während dieser Szene senkt sich Stille über den Laden. Alle halten den Atem an und schauen zur Mutter, die so tut als ob nichts wäre. Das hält sie auch durch als sich ihr Junge anschließend auf die Dreh-Regale neben ihr stürzt, sich auf ihnen dreht und auf ihnen surft. Diese sind ja auf Rollen und damit sehr instabil – sie machen nicht nur einen Heiden-Krach und können beschädigt werden, sondern sind für das Kind zum Ausrutschen oder Umfallen durchaus nicht ungefährlich. Die Spannung steigt im Raum, wäre der Krach nicht so deutlich, würde man eine Stecknadel fallen hören … Und JanaBlog meint das Tick-Tick-Tick im Hintergrund zu hören …

Jeder Verkäufer könnte zig solche Geschichten erzählen,
man muss nicht unbedingt ein Angestellter in einem Laden mit für Kinder leicht zugänglichem Modeschmuck sein, um seine Zähne bereits halb ab-geknirscht zu haben beim routinierten professionellen Lächeln. Verkäufer berichten tatsächlich von solchen Situationen als dem größten Stressfaktor wenn man sie nach ihrer Arbeit fragt.


Am Eingang eines Einrichtungs-Ladens
 im Prenzlauer Berg, Berlin
Die Definition und der Respekt des öffentlichen Raums hat sich verändert. Kann man so machen, da kann man sich als Gesellschaft drauf einigen, kein Problem.

Cafés in denen sich Leute zu ernsthaften Gesprächen nicht treffen wollen, weil ihnen dort „zu viele Mütter“ sind, Hotel-Wellness-Abteilungen, die gemieden werden, weil manche Familien die ihnen zugeteilten Kinder-Pool-Nutzungs-Zeiten nicht respektieren und Kinos und Bars(ja, kein Tippfehler!), in denen kleine Kinder sogar nach Mitternacht herumtoben (verständlicherweise, völlig übermüdet), sind zum neuen Alltag geworden.

Aber so wie die Menschen hinter vorgehaltener Hand reden scheint es doch nicht sooo akzeptiert zu sein. Und die Unzufriedenheits-Linie verläuft nicht zwischen Kinder-habenden und nicht-habenden Menschen, Eltern sind diesbezüglich genauso kritisch, insbesondere wenn sie mal selbst ohne Kinder unterwegs sein wollen (http://muttis-blog.net/2014/01/05/hotels-und-restaurants-ohne-zutritt-fur-kinder-ein-skandal-ein-segen/).

Und trotzdem ist es immer noch ungewöhnlich und fühlt sich ein bisschen nach Shitstorm-Gefahr an, wenn man irgendwo ein Schild findet wie in einem japanischen Restaurant in Berlin, das Kindern unter zwölf Jahren den Zutritt verbietet. (Zur Verhinderung eines Shitstorms gibt JanaBlog hier nicht den Namen des Restaurants an, dieser kann auf Anfrage nachgereicht werden.).


Was man tun könnte?

Hier ein paar

JanaBlog Ideen:

Bevor einem der Kragen platzt, vielleicht ganz höflich die Eltern (immer die Eltern, sie sind zuständig) ansprechen:

Als Wirt oder Verkäufer:

Es tut mir leid,
- aus Sicherheitsgründen darf hier niemand hinter den Tresen/Ladentheke/Bar,
- die drehbaren Ausstellung-Türme sind nicht abgesichert, das könnte ein bisschen gefährlich werden (für Ihr Kind)
- bevor Sie gehen bin ich verpflichtet den Bestand der Ohrringe dort in der Ecke zu überprüfen …

Als Café-Besucher:

Entschuldigung, ich wollte nur sagen, dass es
- in unserer Ecke so laut ist, dass wir uns nicht verstehen können
- wir ein bisschen Angst haben, dass Ihre Kleine, die über unserem Tisch auf dem Felsen herumklettert(wahre Geschichte), auf unseren Tisch fallen könnte …


So vielleicht nicht unbedingt – Edgar Karte

Wichtig:

- Es nicht so weit kommen lassen, dass man aus der Haut fährt.
- So oft wie möglich völlig neutral formulieren, denn es besteht doch immer die Möglichkeit dass die Eltern einfach so zerstreut sind, dass sie zufällig übersehen haben dass die Kinder außer Rand und Band sind. Und sobald sie hören, dass andere sich betroffen fühlen, werden sie natürlich sofort intervenieren!
- Und auf Sicherheitsbedenken und eure Pflichten hinzuweisen – auch wenn ihr sie aus dem Stegreif erfunden habt – ist kein Flunkern. Solche Befürchtungen entsprechen ja völlig der Realität! Denn was passiert der Apothekerin, wenn der Ausstellungs-Turm auf das Kind fällt? Oder der Verkäuferin, wenn ein Kind in einem Schmuck-Laden einen Ohrring verschluckt?

Nur einmal hat JanaBlog eine Heldin des Alltags erlebt, die das Undenkbare gewagt hat, und sogar weit über die hier erwähnten Ideen hinausgegangen ist:

In einem Secondhandladen, in einem ähnlichen Viertel wie dem mit der Apotheke, mit einem alten Holzboden der selbst bei normaler Benutzung knirscht und laut hallt. Die Verkäuferin ist dabei sich an der Kasse zu konzentrieren, um zu entscheiden, welche Ware sie von der vor ihr stehenden Kundin annimmt und welche nicht. Den Laden betritt eine Mutter mit einem mindestens zehnjährigen Jungen, der einen kleinen Ball ununterbrochen gegen den lauten Boden wirft.
Umpf,
Umpf.
Umpf,
Umpf. …

((Tick. Tick. Tick.))

Da hebt die Verkäuferin den Kopf, schaut den Spielenden quer durch den Raum ganz ruhig an und sagt mit fester Stimme: „Entschuldige, das mit dem Ball ist ein bisschen laut und ich muss mich hier konzentrieren, das stört ein bisschen. Könntest du damit aufhören?“

Die Spannung ist in der Stille förmlich mit den Händen zu greifen, keiner der restlichen Kunden wagt sich zu bewegen, es ist als ob man einen Unfall beobachten würde, jede Sekunde eine kleine Ewigkeit. Was würde die Mutter machen?

– – – ............. Der Junge schaut die Verkäuferin an, als ob er einen Geist sehen würde, und hört vor Schreck mit dem Ballspiel auf. Er sieht so aus, als ob ihm noch niemals jemand so etwas gesagt hätte – und eins dürfte stimmen: ein Fremder wird ihm eine ähnliche Frage vermutlich noch nie gestellt haben.

Und die Mutter? Sie schien zu versuchen regungslos mit ihrer Umgebung zu verschmelzen wie ein Stealth-Bomber – aber genau weiß das niemand, denn keiner traute sich, zu ihr hinzuschauen. Zu hören jedenfalls war nichts.

Naja, vielleicht gibt es ja Hoffnung auch für diejenigen, die sich nicht trauen. In letzter Zeit hört JanaBlog von verschiedenen Twentysomethings wie sie sich beschweren, dass das Shoppen keinen Spaß macht, weil die Mütter (ihres eigenen Alters) ihre Kinder in die Umkleidekabinen mitbringen. Warum „sie ihre Kleinen denn nicht für die paar Stunden beim Mann oder Oma oder sonstig babysitten lassen, oder eben mal online einkaufen könnten, oder sich nicht unter der Woche einen Tag frei nehmen würden, wenn das Kind im Kindergarten ist?“, mosern sie sichtlich genervt …

… Wer weiß, möglicherweise kommt es ja gar nicht dazu, dass jemandem der Kragen platzen muss, vielleicht sagt die neueste Generation ja was, ganz entspannt!

Aber so oder so: Tickt da eine Uhr, oder beißen alle weiter die Zähne zusammen?






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