Montag, 17. Dezember 2012

Alles super, seitenlang?




Nicht mehr einfache Weihnachtskarten mit guten Wünschen, sondern als Trend aus den USA kommend: genormte, mehrere Seiten lange Weihnachtsbriefe (oder gar Weihnachts-Mails, seitenlang) mit süßem Familienfoto und einem erschöpfend komplettem Bericht darüber, was die Familie so das Jahr über gemacht hat - bekommt ihr die auch allmählich? Und rüstet ihr auch hoch? Antwortet ihr mit gleicher Münze?

Es gibt Menschen, die sich grundsätzlich über alle amerikanischen Trends aufregen. JanaBlog gehört nicht dazu, aber bei den Weihnachtsbriefen schon:

Die Grundidee? Wunderschön. Mit Freunden und Verwandten, die man nur selten sieht, trotzdem auf dem Laufenden zu bleiben, sein Leben trotzdem ein wenig mit ihnen teilen können.

Aber alles Gute kann man auch übertreiben:

- Für jeden:
Nicht nur Freunde und Verwandte werden nun beglückt, sondern auch entfernte Bekannte, einfach Eltern aus dem Kindergarten, Teilnehmer eines gemeinsamen Freizeitkurses, Ex-Kollegen... 
Wollen sie wirklich, dass wir so genau über ihre Familie Bescheid wissen?

- Zu lang:
Wer hat schon (in der Vorweihnachtszeit) die Zeit, mehrere Seiten Brief wirklich zu lesen? Ernsthaft: wer studiert diese Briefe wirklich durch? (Außer Omas im Altersheim vielleicht, aber auch nur wenn sie dafür die Muße haben)

- Zu positiv:
Jeder dieser Briefe liest sich so, dass jeder Leser, der nicht gerade ein einem Märchen lebt, grün vor Neid werden muss: Alle sind erfolgreich, die Kinder haben dies und jenes gelernt/Stipendien/Jobs erhalten, die Reisen waren atemberaubend, der Hausausbau endlich vollendet, der neue Hund süß... Und unglaublich, wie viel diese Familie in einem Jahr unterbringen kann. Nur Superwomen, Supermen, Superchildren!

Jetzt: Wem tut dies gut?
Dem Schreibenden: der kann sich toll fühlen, nachdem er den eigenen Brief gelesen hat.
Aber: Was tun, wenn es mal nicht so toll läuft? Womit füllt er in einem schlechten Jahr die Seiten? Er hat schließlich Standards etabliert, alle erwarten nun jährlich die zig Seiten Bericht, wenn er kürzer ausfällt, kann da was nicht stimmen...

Dem Lesenden: der kann sich informieren, fühlt sich ins Vertrauen gezogen und damit aufgewertet.
Na ja, auch wenn der Brief genormt ist und nicht für ihn ganz persönlich...
Aber - informiert? Viele glauben doch nicht mehr, dass es alles tatsächlich so fabelhaft gewesen ist, wie beschrieben, oder?
Und falls der Briefadressat alles für bare Münze nimmt, fühlt er sich nur dann gut, wenn es ihm selbst genauso großartig geht wie demjenigen im Brief.
Und die Normalsterblichen und gar diejenigen, denen es nicht so gut geht (und die sich nichts vormachen (können)?
Die werden entweder grün vor Neid, siehe oben, oder lesen den Brief um ihres inneren Friedens willen erst gar nicht.


Was nun?

Briefe kürzer fassen, punktuell das Gute herausheben mit Raum für Normalmenschliches zwischen den Zeilen vielleicht...

Und wie reagieren? Man fühlt sich als Mensch immer verpflichtet, Vertrauen mit Vertrauen zu vergelten. Müssen wir nun in den Reigen der sich gegenseitig übertreffenden Briefe einsteigen?


Wie macht ihr das?

Antwortet ihr immer?

Mit ähnlichem Brief oder extra kurz oder ironisch?

Oder...oder....?







Auflösung des Foto-Rätsels: Glaube und Wahrheit ist ein Laden in Berlin!


Ähnliches von Jana Blog:




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