Freitag, 1. November 2013

Pain of Paying






Bargeld zu Papiertaschentüchern machen?
Hier ist jemand den Zeiten in Deutschland
voraus (Produkt von CEPEWA GmbH). Gibt's
auch als Servietten!
Würdet ihr für eine Abschaffung von Bargeld stimmen?

Oder habt ihr Angst vor Plastik-Geldkarten?

Warum bezahlen wir in Deutschland noch archaisch bar, während in Schweden schon alles für die Abschaffung des Bargelds vorbereitet wird*?

Warum müssen wir Ausländern immer noch peinlich wie provinzielle Hinterwäldler erscheinen in so manchen Shops, Restaurants, wenn wir nur Bargeld nehmen?

In Zeiten des Online-Lebens zahlen die deutschen Kunden im Einzelhandel  noch immer mit etwas über 50% am häufigsten mit Bargeld. Das Einkaufen mit Plastik-Karten ist nur auf einem langsamen Vormarsch - also mit Girokarten (beliebter als Kreditkarten, lösen eine sofortige Abbuchung des Betrages vom Konto aus) und Kreditkarten (bei denen man erst einen Monat später "real bezahlen muss").**

Während in England oder selbst in Frankreich selbst Brötchen//Scones/Baguette mit Kreditkarte bezahlt werden (können),
werden in Deutschland

- Girokarten-Automaten in Hamburgs Bussen abgeschafft - zugunsten Bargeld-only,
- selbst direkt neben internationalen Super-Hotel-Ketten in großen Bekleidungshäusern keine Kreditkarten akzeptiert
- ganz zu schweigen von kleineren Boutiquen, Apotheken oder:
(selbst teuren) Restaurants!!

Sprich: In Deutschland man muss immer wieder zur Bank, Geld abholen, nachzählen, das Geld im ausgebeulter Brieftasche schleppen, aufpassen was auf Konto UND im Geldbeutel ist, die Banken müssen das Geld hin- und herfahren, Überfälle befürchten, ....


Warum immer noch?

- Klar, die Deutschen fühlen sich spätestens seit 2008 richtig bestätigt in ihrem insgesamt vorsichtigen Umgang mit Geld. Vernünftig statt so "verschwenderisch" wie die "konsumorienterten Amerikaner", die sich chronisch vielfach über mehrere Kreditkarten (oder Immobilienblasen) in den Ruin treiben!

- ((Das beliebte Argument, in Deutschland sei die Kreditkarte so teuer für die Händler erörtert JanaBlog nicht: Wo ein (Gruppen-Verhandlungs-)Wille ist ist auch ein Weg, im Ausland scheint es ja auch zu gehen.))

- Emotional haben wir unsere Gehirne Jahrhunderte mit Bargeld trainiert und haben deshalb mit Münzen eher als mit Plastikkarte das Gefühl dafür, wirklich Geld ausgegeben zu haben. Nach dem Motto: "Abends wenn der Geldbeutel leer ist weiß man: Das Geld ist weg!"
((Dabei: Das kann übrigens sogar eine gute Nachricht sein! Vielleicht hat man die besten Investitionen seines Lebens getätigt!))

Forscher haben dementsprechend festgestellt dass unsere Gehirne noch so verdrahtet sind, dass beim Bezahlen mit Bargeld das Schmerzzentrum aktiviert wird,  Es wird von "Pain of Paying" gesprochen.*** Dagegen reagiert das Hirn auf das Abgeben der Plastikkarte wie betäubt, bekommt es viel weniger mit.
Kein Wunder vielleicht - JanaBlog-Vermutung: Als Mammutjäger hatten wir wenig Abstraktes und das Weggeben von einem Gegenstand/Mammutstück war eine existentiell ernste Sache. Das tat insofern "weh"!

Jedoch: Vor gar nicht so langer Zeit wurde sicher auch unser Schmerzzentrum aktiviert, als wir in die ersten Bahnzüge der Menschheit eingestiegen sind und dachten, das überstehen wir nicht, diese Geschwindigkeit!

Und wegen Pain of Paying gegen Kreditkarten zu sein oder sie gar nicht erst anzubieten??? Das ist bevormundend. Jeder muss selbst auf sein persönliches Finanzmanagement aufpassen. Sonst ist es wie Elektroschocks an Süßigkeiten-Regale im Supermarkt anzubringen, oder an Alkohol-Regale, um Menschen am Zunehmen oder am Alkoholismus zu hindern (Worüber sich übrigens durchaus reden ließe, Stichwort "Nudge": http://janablog1.blogspot.de/2013/03/stupser-von-der-goodness-gang.html)

Unser Leben ist so viel abstrakter geworden, schaffen wir diese kleine Lernübung für unser Gehirn denn nicht auch?
Ist das nicht wie der Weg
von Platte zu Spotify
vom Buch zum Ebook
vom Flohmarkt zu Ebay
von der Papierzeitung zu Nachrichtenfeeds.....?

Dieses Toilettenpapier geht in der Abwertung von Bargeld
 etwas zu weit,
aber...

Zumal wir uns höchst irrational und widersprüchlich verhalten bei unserer Bargeld-Liebe:
- Denn selbst wenn wir Geld im Geldbeutel haben, das sichtbar weniger wird, müssen wir gleichzeitig wissen, wie viel noch auf dem Konto ist, ob wir bald weiteres Bargeld abholen können. Auf jedem Konto passieren in der Zwischenzeit schließlich Dauerauftrags- und ähnliche Bewegungen, die automatisch ablaufen.

- Und wir akzeptieren die Girokarte viel mehr als die Kreditkarte. Warum?
Girokarte-Beträge werden zwar gleich vom Konto abgebucht, aber trotzdem müssen wir uns das extra im unserer Fantasie vorstellen! Auch da sehen wir nicht den realen Übergang passieren, auch da müssen wir unser Konto innerlich/äußerlich im Blick behalten.

- Immer wieder unterschätzen wir wie gut es für unser Konto ist wenn mit der Kreditkarte der Kaufpreis erst in einem Monat vom Konto abgebucht wird!!! Der beliebte Spruch dazu "Aber dann SEHE ich es ja erst in einem Monat" ändert nichts an der Tatsache, dass das Geld erst in einem Monat verschwindet!!!!

- Gleichzeitig benutzen wir fröhlich unsere Kreditkarten online - und das manchmal überflüssig (da häufig widerrufliche Lastschrift oder Rechnung möglich ist). Routiniert tätigen wir da höchst abstrakte Geldtransaktionen, bei denen wir noch nicht mal die Waren im Austausch fürs Geld greifbar in die Hand bekommen!

Ist es eine Generationsfrage?

Selbst die Generation der Zwanzigjährigen denkt noch erstaunlich Bargeld-lastig.
Eine automatische Änderung wird wohl erst mit der wirklich neuen Generation eintreten, die mit dem Smartphone förmlich geboren wurde (und vermutlich nicht mal mehr mit Plastik, sondern gleich mit einem Smartphone oder etwas ganz anderem bezahlen wird, wenn sie so weit ist). Jedenfalls werden (wohl erst?) die Babys von heute leicht und selbstverständlich all das, was als nicht greifbare Münz-Metall-Information existiert, als höchst realen Vorgang wahrnehmen können, einfach weil ein so großer Teil des Lebens virtuell abläuft und ablaufen wird und sie es von klein auf trainieren werden. Insofern wird auch das abstrakte Bezahlen bei ihnen (wenn angemessen) vielleicht auch Pain of Paying auslösen.

Aber müssen wir es (bis zur nächsten Generation) sooo lange aussitzen, während andere Länder an uns vorüberziehen? 

JanaBlog meint: Nein.

Deshalb hier

JanaBlog-Tricks
zur Umpolung des Gehirns auf
"Auch-mit-Kreditkarte-aufs-Geld-aufpassen-und-ein-bequemeres-bargeldloses-Leben-haben":

Gewohnheiten ändern!!

- Automatisch Aufhorchen wenn wir den Geldbeutel zücken, und unsere Plastikkarte. Wir können uns einfach vorstellen wie eine kleine Alarmanlage losgeht, sobald wir das Plastik in der Hand spüren, wie sie aufheult und rot blinkt!!!

- Sich immer Belege geben lassen (überraschenderweise häufig optional!) und dann zu Hause den lebendigen Beweis für die Ausgaben aus dem Geldbeutel hervorziehen.

- Das eignet sich auch exzellent zum Notieren der Ausgaben, dem einzigen wirklich verlässlichen Weg seine Finanzen im Griff zu behalten.

Und/oder/immer:

- Gehirn VOR jedem Kauf einschalten, sich angewöhnen sich lieber doppelt zu befragen ob das wirklich ein guter Kauf ist, drüber schlafen...



Wie macht ihr es?

Bargeld als archaische Erinnerung an alte Zeiten?

Einfach nur gedankenlose Gewohnheit?

Oder habt ihr andere Motive wie etwa...

....JanaBlog die denkt:
"Das einzige was ich ohne Bargeld vermissen würde wären meine bunten schicken kleinen Münz-Geldbeutel, die ich extra für das schwere Münzgeld angeschafft habe (eben weil der Geldbeutel so unförmig voll ist immer wieder....)"
.... Aber auch das lässt sich sicher lösen.... pfiffige Kreditkarten-Täschchen wird es ja vielleicht auch geben?








((Wer im Großen nachdenken mag und uns hier vielleicht gar Erhellendes schreiben will, für den hier JanaBlog-Stammtisch-Ecke:
Warum sind denn in Deutschland keine Kampagnen gegen Bargeld wie in Schweden zu beobachten?

Sicher, sie wären im Interesse der Banken (jedes Nicht-Bare ist ein kleiner Kredit für die Bank), und das kommt nicht so gut an beim Otto-Normalverbraucher.

Aber wie sieht es ökonomisch aus?

Und umweltfreundlich?
Wäre das Verschwinden der endlosen Geldsäcke nicht im Interesse der Ressourcen (Beförderung der Geldmengen, Kupfer-Preis,...)?

Und schließlich:
Wieso redet niemand davon, dass mit dem Verschwinden von Bargeld die Schwarzarbeit extrem eingedämmt werden würde? ....))



* "Total durchsichtig" von Matthias Hannemann, Brand Eins August 2013, S. 86
**2012 wurde 55.6% des Einzelhandelsumsatzes bar bezahlt, laut Handelsforschungsinstitut EHI http://www.derhandel.de/news/technik/pages/Bezahlverfahren-Kartenanteil-im-Handel-knackt-40-Prozent-Marke-9666.html
*** Carnegie Mellon University Pittsburgh, Prof. George Loewenstein et al, http://www.cmu.edu/homepage/practical/2007/winter/spending-til-it-hurts.shtml
Allerdings nur Test mit 26 Personen...

Ähnliches von JanaBlog:



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