Posts mit dem Label Sascha Lobo werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Sascha Lobo werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 18. Januar 2017

Monstrous Regiment









Einfache Lösungen an Fakten vorbei? Das wäre schön. Wer die verspricht, hat einen Vorteil.

Wir modernen Menschen können einem solchen Phänomen allerdings nicht aufsitzen. Wir orientieren uns an fundierten Informationen, können Komplexität aushalten und Eindeutiges ist uns eher verdächtig. Denn wir sind die Guten, diejenigen die offen sind, globalisiert, umweltbewusst, tolerant und vor allem: intelligent!

Wirklich?

JanaBlog jedenfalls schafft es im Privatleben(!) nicht immer

nicht vorschnell Schlüsse zu ziehen und
Sachverhalte nicht ungebührlich zu vereinfachen

und das macht durchaus was aus!




Die folgenden Beispiele werden euch vielleicht längst klar sein,

JanaBlog jedenfalls wird seit Jahren ganz einfach im Alltag vor Augen geführt, 
wie unbekümmert sie sich Informationen nicht nur in der virtuellen, sondern in der analogen Welt einbildet – lange bevor es Fake-News gab – 
und wie wenig Ahnung sie dabei von der Welt hat:

Beim Floristen empörte sie sich fleißig mit dem ahnungslosen Automatismus eines Umweltbesorgten als sie hörte, dass jeden Morgen ein großes Flugzeug aus Südamerika mit frischen Rosen ankommt, die sie dann preiswert kaufen kann. Das ganze CO2! Da entgegnete der Fachhändler cool, das wäre ganz im Gegenteil sehr gut für die Umwelt.*

JanaBlog-Annahme: Schuhe mit Absätzen tragen ist schlecht für Füße und Rücken! Das zumindest weiß doch jeder!
Leider falsch, wir sollten alle Absätze tragen!**

JanaBlog dachte, wir Deutschen wären unglaublich Umwelt-vorbildlich, Nummer 1 sozusagen. Wir trennen, fahren Fahrrad, und bilden uns einiges darauf ein. Sie fiel dann hinten über als sie vor ein paar Jahren sah, dass Deutschland auf der Liste der umweltfreundlichen Nationen nur im Mittelfeld war.***

Schon lange spendet JanaBlog nur noch Kleidung vor Ort in Deutschland, weil ihr eines Tages nach Jahren von Teilnahme an konventionellen Kleidersammlungen aufgegangen ist, dass sie damit nicht Gutes, sondern Schlechtes bewirkt hat.****

Jüngstes Beispiel: Am ersten Tag des Plastiktüten-„Verbots“ im Einzelhandel fühlte sich JanaBlog mit ihrer so umweltfreundlich aussehenden Papiertüte richtig gut. Bis sie am nächsten Tag las, dass die Maßnahme nicht nötig, sondern eben eher zum Wohlfühlen ist.*****


Ist schon klar, wir können nicht alles andauernd durchdenken, an allem zweifeln, und wir wollen uns alle als "die Guten" fühlen.

Und gut fühlt sich beispielsweise an zu behaupten, dass Bildung die Lösung wäre. Aber entgegen anderslautender Gerüchte – man kann es nicht oft genug betonen –
hat die chronische Vereinfacheritis nichts mit dem Bildungsgrad zu tun. Sie findet sich überall – ob am rechten Rand oder in angeblich fortschrittlichen Akademiker-Vierteln. Die Hochburg von denjenigen, die beispielsweise als Impfgegner generell “nicht an schulmedizinische Studien glauben“, ist nun einmal der Prenzlauer Berg.******

Jetzt was macht es überhaupt aus? Ist es nicht

Privatsache?

Wenn‘s einen selbst betrifft, meistens.
Wenn es Kinder betrifft, schon schwierig.
Und stimmt, nicht alle von uns beeinflussen andere Menschen,
nicht alle von uns erziehen Kinder und Enkel, nicht alle sind wir Aktivisten oder Politiker,
Lehrer, Chefs oder Journalisten, aber immerhin:

Jeder von uns trifft Entscheidungen, und

wir gehen wählen!

Was zumindest fürs Letztere bisher immer wieder unbewusst geholfen hat war der wohlbekannte Spruch „Nach uns die Sintflut“.
Nun hat sich aber leider ein zeitgenössischer Schriftsteller Gedanken dazu gemacht:

 „… Der Ausdruck »Nach mir die Sintflut« wird mal Louis XV. zugeschrieben, mal seiner Mätresse Madame de Pompadour. Er beschrieb ziemlich gut meinen allgemeinen Geisteszustand, aber es war das erste Mal, dass mich ein unbehaglicher Gedanke durchfuhr:

Was, wenn die Sintflut vor meinem eigenen Tod käme?“*******


                                                        … Da nimmt JanaBlog dann doch lieber schnell etwas Leichteres zur Hand und versucht sich an dem tiefsinnigen Unterhaltungs-Autor Terry Pratchett zu orientieren:

„The presence of those seeking the truth is infinitely to be preferred to those 
who think they've found it."
                                                                             Aus dem Roman
                                                                             „Monstrous Regiment“






Zu all den Sternchen:
Alle diese Informationen ohne Gewähr – manches hat sich in der Zwischenzeit sicher geändert. Dies ist nur eine Skizze zum Einfühlen in die Tatsache, wie schwankend das Floß unseres Welt-Wissens in Wahrheit ist. Bezeichnenderweise hat JanaBlog diese „Informationen“ in ihrem Privatleben(!) nicht vollständig nachrecherchiert sondern verließ sich zum guten Teil auf Experten – wie bei einer Autoreparaturwerkstatt oder einem Arzt :

*Rosen:  …Denn durch Einführung der Rosen-Bomber konnten viele Treibhäuser in Holland, Norditalien und Dänemark schließen, die für die Rosenzüchtung heftig beheizt werden mussten und damit wurde CO2 eingespart.

** Absätze: … Das Gegenteil ist der Fall: Die Physis des zeitgenössischen Menschen ist mittlerweile so verändert, dass durch eine generelle Anspannung die hinteren Muskulatur von Rücken bis Fuß herunter so verkürzt ist, dass ein Absatz bis 4 cm in vielen Fällen sogar besser sein kann als flache Schuhe! Auch für Männer!!(Auskunft der angesehensten Schuheinlagen-Macher Hamburgs)

***Was hat den Unterschied zu JanaBlogs Wahrnehmung der Deutschen als Umwelt-Weltmeister ausgemacht? All das Mineralwasser! Die Otto-Normalverbraucher-CO2-Bilanz wird dadurch ruiniert, dass uns das Mineralwasser von weit her gebracht wird. Eine neuere Liste hier für euch, Deutschland ist immer noch nicht Nummer 1: http://www.ingenieur.de/Themen/Klima-Umwelt/Die-20-umweltfreundlichsten-Laender-Welt

**** Zigtausende Beschäftigte der Textil-Branche in Afrika haben ihre Jobs verloren, weil ihre Länder mit geschenkten Klamotten überschwemmt wurden (während die Zwischenhändler daran verdienten). Gut gezeigt in "Der Altkleider-Irrtum", Dokumentation WDR von Dieter Könnes.

Unter anderem: Papier sei Plastik nicht vorzuziehen, weil es viel mehr Energie und Ressourcen bei der Herstellung verbraucht und die Umwelt noch mehr belastet. Auch der Baumwollsack, der Nachfolger der Jutetüte, ist nicht per se die bessere Wahl. … Außerdem:
Die Plastiktüten-Verwendung in Deutschland sei eigentlich überhaupt kein wirkliches Problem…
****** Zum Prenzlauer Berg: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/lobo-kolumne-pseudoskepsis-zweifelt-an-allem-ausser-an-sich-selbst-a-1016636.html

******* Zitat zur Sintflut: aus „Unterwerfung“, von Michel Houllebecq



Fotos:

King Kong: Gesehen in Heidelberg, Antiquariat T. Hatry

Brutal …: Ein Buch von M&C Saatchi
https://www.amazon.de/Brutal-Simplicity-Thought-Changed-World/dp/0091957028
Dieses Buch hat eigentlich fast nichts mit JanaBlogs Gedankengängen zu tun, der Titel ist aber großartig! Müsste man auf Tassen, Seifen und T-Shirts drucken!




Ähnliches von JanaBlog:

Blog gibt es als ideales kleines Geschenkbuch!
Heißt „Erregungskurven“, und ist ganz normal im Buchhandel erhältlich, auch als E-Book, und international (JanaBlog-Leser in den USA aufgepasst)!

Näheres hier:

Oder gleich bei Bücher de. Oder bei Amazon, wo man ins Buch hineinsch bis Spielen auen kann::

                   
Für JanaBlog-Leser in den USA auch hier erhältlich:


oder
kontaktiere JanaBlog persönlich! – Einfach per Mail: JanaBloginfo@googlemail.com




Donnerstag, 11. Juni 2015

Privatsphäre, öffentlich.







Wir plappern wo wir stehen und gehen Privates und Geschäftliches aus, und alle können es hören.

Nicht durch Technik, sondern weil 
Fremde mithören und wir sorglos laut reden.

Ist uns egal? - Vielleicht.

Allerdings hat die Sache gleich zwei Haken:

- Die Welt ist klein!

- Und wir plaudern öffentlich (häufig sogar namentlich) über Dritte.


Gegen die Online-/Kamera-/Telefon-Überwachung gehen wir ohnehin nicht gerade auf die Straße*.
Und was wir nicht online öffentlich machen, das trompeten wir einfach so, unterwegs beim Einkaufen, heraus:

- Telefon 1: Wir telefonieren zwar viel weniger als früher, aber wenn, dann richtig: Geschäftliche Telefonate im Zug können besonders auf der Strecke zwischen Hamburg und Berlin äußerst interessant sein, da kann man ganze politische Intrigen und Journalisten-Enthüllungsberichte vorab mitbekommen
Einige haben es ja bereits schon zu bunt getrieben und alle lachen darüber (http://www.spiegel.de/politik/ausland/ex-nsa-chef-michael-hayden-wurde-im-zug-belauscht-a-929942.html), aber Vieles davon machen wir doch alle.

-Telefon 2: Neu: Walken oder nach dem Joggen runterkühlend Gehen  durch die nacht-dunklen städtischen Straßen und dabei mit Headset laut telefonieren
Sehr nachvollziehbar für JanaBlog: spart Zeit!!! Ermöglicht teilweise überhaupt erst, mit dem auswärtigen Freund oder Schwester im hektischen Alltag zu telefonieren!
JanaBlog hat auf diese Weise aber bereits mehr erfahren als ihr lieb war - sehr Privates, von seelischen Nöten über Urlaubszeiten bis hin zu Namen von blöden Bossen im Job und ähnliches

- Café: Der neue „Arbeitsplatz Café“ eröffnet ungeahnte Möglichkeiten für Lauscher wenn man sehr sorglos (nicht nur geschäftlich) telefoniert
Genauso die Mode, in Cafés an großen Gemeinschafts-Tischen zu sitzen und trotzdem geschäftlich/datenmäßig sensitive Dinge zu besprechen, obwohl (hoffentlich wirklich) fremde Menschen mit am Tisch sitzen.

- Balkon: Letztens hallte es am Sitzplatz eines (mehrere Häuser entfernten) telefonierenden Nachbarn von JanaBlog so sehr, dass wirklich jedes Wort durch die ganze Straße glasklar aufdringlich zu hören war. Alle drehten die Köpfe und sagten sich: So viel Informationen brauche ich gar nicht!
Aber auch intime Gespräche am berühmten Sonntags-Frühstücks-Tisch auf dem Balkon sind manchmal so entspannt, dass man sieht: 
Wir wollen so gern in der Sonne sitzen, dass wir uns die (sicher zum guten Teil gänzlich unfreiwillig) lauschenden Ohren ringsum einfach weg-halluzinieren.


Foto: Arne Svensson, Neighbours #52. Hier hat der Künstler eine echte private Situation fotografiert, ohne Wissen und Erlaubnis der Abgebildeten. Er hat nur Augenblicke als Kunstwerke verkauft, in denen man das Gesicht der Beteiligten nicht identifizieren kann. Rechtlich okay, sagt das Gericht in New York. JanaBlog wünschte zwar irgendwie, es wäre nicht in Ordnung, aber darüber redet irgendwie keiner: wo beginnt die Privatsphäre denn nun eigentlich?


- Beim Arzt wird man am Tresen nicht nur dazu gezwungen seine gesamte Adresse schön deutlich aufzusagen sondern sogar immer wieder "Anlass des Besuchs" bis hin zu Beschwerden. Besonders pikant: Beim Gynäkologen werden einem schon mal Ergebnisse über den Tresen hinweg mündlich mitgeteilt. Sehr interessant für die Umstehenden - nicht nur bei VIPs!
Gleiches Problem bei der

- Apotheke, wo ein Diskretions-Abstand mit Ausnahme der sehr großen modernen Ketten immer noch unbekannt ist:

-Arbeiten überall ist toll, aber viele zeigen einfach alles allen auf dem 
Computerbildschirm im Zug, Flieger und Co, wahrhaft sorglos…

- Post:  Wir wehren uns anscheinend nicht besonders gegen die Praxis, dass der Postbote selbst amtliche Finanzamt-Umschläge auf die Wohnungstür-Schwelle im Hausflur, außerhalb des Briefkastens legt.

-Taxi: Wie viele Menschen bestellen sich namentlich ein Taxi und erörtern mit dem Kollegen bei der geteilten Heimfahrt die Urlaubspläne samt Daten
Übertriebene Bedenken? 
JanaBlog ist schon mal ein Einbruch passiert, nachdem sie mit jemandem den Zeitraum ihres Kurz-Urlaubs an der Wohnungstür erörterte - während der Hausflur voller Handwerker war. Nur ihre Wohnung wurde dann gezielt in Angriff genommen, (auch laut Kripo) auffällig....

-Restaurant: Letzthin hat JanaBlog einen beobachtet, der regelrecht gezielt auf die Zahlen geschaut hat, die ihr Tischnachbar in das Kreditkarten-Gerät am Tisch eintippte. 
Anschließend schrie der Kellner wie üblich den Namen des Kreditkarten-Inhabers in die Welt hinaus, weil ihm das beigebracht wurde als höflich (ist es ja auch, nur: zu laut!).
Sogar die Tisch-Verteilung nach Namen kann sehr leicht zugänglich sein im Restaurant. In einem der "besten" Restaurants stand JanaBlog bestimmt sechs Minuten herum ohne dass jemand sie ansprach direkt vor dem Bildschirm, auf dem namentlich die Tische grafisch im Raum dargestellt waren.

-Wohnen: Wir leben neuerdings anscheinend gerne in vollkommen verglasten Wohnungen, meist ohne viel Vorhänge zu benutzen. (Wenn uns dabei jemand fotografiert, müssen wir das (bislang per Urteil in New York) hinnehmen. 
Selber Schuld?**.)


Andere wünschen sich vielleicht gerade mehr Privatssphäre: Hier ein Entwurf für ein Bett für Obdachlosen-Unterkünfte. JanaBlog findet dieses gerade 3 Quadratmeter benötigende Design jedenfalls völlig naheliegend! Vom Designbüro Social-Unit, Corinna de Korver und Wouter Kalis


- Arbeitsplatz: Wir tun so als ob wir Großraumbüros völlig in Ordnung fänden, obwohl wir damit der ständigen Überwachung unserer Umwelt ausgesetzt sind (und laut Studie durch den Verlust an Privatsphäre ein höheres Krankheitsrisiko haben: http://www.aponet.de/gesundheit-und-beruf/arbeit-im-grossraumbuero.html)


Es ist ja wirklich wunderbar, dass wir keine Angst haben von Menschen belauscht zu werden. 

Welch eine Freiheit! 

Aber:

Wir vergessen leicht, dass wir häufig 

nicht nur Fakten und Interessantes über uns selbst offenbaren, sondern

auch Inoffizielles preisgeben von Freunden, Kollegen oder Familienmitgliedern über die wir sprechen.

Und die haben wir meistens nicht gefragt, ob sie unbekümmert "veröffentlicht" werden wollen.

Und dann:

Die Welt ist KLEIN!!!! 

Immer wieder können Fremde am Nebentisch etwas mit den Namen anfangen, die wir erwähnen. Oder kennen uns vom Sehen, fotografieren, googeln uns - unbemerkt und ohne dass wir sie offiziell kennen würden.

Vielleicht läuft es schlicht auf eine bewusste Entscheidung hinaus:

Entweder es ist uns alles egal,
oder
wir haben ein Bedürfnis nach einer Grund-Privatsphäre für uns und andere.

Im letzteren Fall täte uns manchmal ein wenig mehr Paranoia gut. 

((Dazu sind manche Science Fiction-Serien ganz praktisch: In Serien wie "Person of Interest" lernt man ein wenig Ausspäh-Möglichkeiten mitzudenken***.))


Oder was oft schon reichen würde:

Einfach die Stimme ein wenig senken… 





Lesenswert zum Thema:

  
(Der Haupt-Tipp scheint dort zu sein: die Bluetooth-Funktion des Handys abschalten, damit es nicht "geklont" und somit komplett abgehört werden kann)).

Ähnliches von JanaBlog:


JanaBlog gibt es als ideales kleines Geschenkbuch!
Heißt „Erregungskurven“, und ist ganz normal im Buchhandel erhältlich, auch als E-Book, und international (JanaBlog-Leser in den USA aufgepasst)!

Näheres hier:

Oder gleich bei Bücher de. Oder bei Amazon, wo man ins Buch hineinsch bis Spielen auen kann::

                   
Für JanaBlog-Leser in den USA auch hier erhältlich:


oder
kontaktiere JanaBlog persönlich! – Einfach per Mail: JanaBloginfo@googlemail.com


Freitag, 6. Februar 2015

Sofortness

(Aus der Reihe: Best of JanaBlog)




Mich machen Hand-Trockner verrückt
Lieber suche ich ein Taschentuch!

Bin ich ein Opfer der digitalen Ungeduld, der so genannten Sofortness?

Leiden wir allmählich ganz schön an der realen Welt, weil sie uns im Vergleich zu virtuellen Online-Welt einfach zu langsam erscheint?

Denn warum macht mich der Hand-Trockner wahnsinnig? 

Nicht nur, weil es mir so vorkommt als ob überflüssig viel Energie in die Luft gepustet werden würde, sondern 

weil mich der Hand-Trockner mitten in meiner Bewegung stoppt, und ich es gewohnt bin, dass alles sehr schnell und vor allem: flüssig geht.

Mit der Ungeduld bin ich nicht allein. Habt ihr in letzter Zeit Menschen beobachtet, beispielsweise in der seltenen Warteschlange (typisches Beispiel: Postfiliale)? Welch eine Überwindung es uns kostet, da zu stehen und einfach nur – zu warten? Obwohl wir unsere Mobil-Spielzeuge in den Händen halten können, wie hibbelig viele von uns da sind? Wie gestresst Menschen mittlerweile an Supermarkt-Kassen selbst nach kurzer Warteschlange reagieren?

Durch Geschwindigkeit insbesondere des Internets heute geraten wir in ein schnelles Nacheinander, fast eine Gleichzeitigkeit, wo alles nahtlos ineinander übergeht (Mails, SMS, Internet checken). Wir können einen Knopf drücken und gleichzeitig schon die Antwort auf dem Bildschirm sehen, den Ausdruck in den Händen halten. Und dann rebelliert unser inneres System, wenn plötzlich eine Art Vollbremsung geschieht wenn etwas in der realen Welt nicht sofort funktioniert. Wenn man auf einen Zug warten muss, oder einen kurzen Gang zu in einem Shop machen muss. 

Unser Gehirn gewöhnt sich gerade nachhaltig daran, dass wir uns in einem schnellen Fluss durch unser Leben bewegen können, nimmt es freudig an, und vergisst dabei vielleicht die reale, physische, mechanische und damit um einiges langsamere Welt!.

Menschen die sich mit der Auswirkung des Internets auf unser Leben beschäftigen suchen einen aussagekräftigen Begriff dafür – der Begriff der Digitalen Ungeduld und der Sofortness hat sich möglicherweise noch nicht durchgesetzt, drückt es aber vergleichsweise gut aus*. Er will einfach nur sagen, dass die Menschen in der technischen Welt ein extrem kurzes Reiz-Reaktions-Verhältnis zwischen ihren Wünschen und der Umwelt gewohnt sind, dass das Netz-Publikum das „Sofort“ als den einzig akzeptablen Zeitrahmen ansieht.

Und es ist klar: Sofortness ist nicht nur negativ, denn in der Internet-Digital-Welt funktioniert sie ja ausgesprochen gut. Sie fordert zu schnellem Denken und Problemlösungen auf, die in der Geschwindigkeit dort dann tatsächlich erforderlich sind. 

Negativ wird sie nur, wenn sie uns in der realen Welt unnötigen Stress bereitet, also wenn das Stehen an einer Fußgängerampel plötzlich zur Qual wird.

Oder wenn wir als Folge traditionelle Real-Welt-Zeitabläufe nicht mehr realistisch einschätzen können, also etwa unser (soziales) Leben so voll packen, dass es rein physisch kaum mehr zu bewältigen ist und in eine Art soziales Burnout ergibt. (http://janablog1.blogspot.de/2013/11/social-life-burnout.html).


JanaBlog-Frage:

Werden wir bald Trainings-Programme brauchen, in denen wir die verschiedenen Geschwindigkeits-Erwartungen für uns im Alltag steuern lernen?

Eine Art Grundkurs in Real-Welt-Zeitabläufen?

JanaBlog  jedenfalls könnte bald der erste Kunde werden…






*http://www.spiegel.de/netzwelt/web/s-p-o-n-die-mensch-maschine-digitale-ungeduld-a-774110.html,
http://www.heise.de/tr/blog/artikel/Sofortness-273180.html

Dies ist die leicht überarbeitete Fassung des bereits am 22.9.2011 erschienenen Posts 
“Sofortness“ von JanaBlog.


Ähnliches von JanaBlog:


JanaBlog gibt es nun als ideales kleines Geschenkbuch!
Heißt „Erregungskurven“, und ist ganz normal im Buchhandel erhältlich, auch als E-Book, und international (JanaBlog-Leser in den USA aufgepasst)!

Näheres hier:

Oder gleich bei Bücher de. Oder bei Amazon, wo man ins Buch hineinschauen kann::


Für JanaBlog-Leser in den USA auch hier erhältlich:



Besuche JanaBlog auf Facebook

 oder

kontaktiere JanaBlog persönlich! – Einfach per Mail: JanaBloginfo@googlemail.com




Mittwoch, 21. Januar 2015

Noch unbefangen?








Wie organisiert ihr euch innerlich bei gestiegenem Terror-Risiko?

Habt ihr mehr Angst? 

Verdrängt ihr die Gefahren eines Anschlags, der auch euch zufällig erwischen kann?

Welche neue Balance findet ihr?

Knapp zwei Wochen nach dem Anschlag gegen die französische Karikaturen-Zeitschrift Charlie Hebdo wurde in Dresden eine Demo verboten, wegen Morddrohungen gegen einen der Organisatoren.*
Es ist nicht ausgeschlossen dass jetzt eine neue Ära der Bedrohung beginnt und dass wir irgendwann zurückblicken und sagen werden: "Hah, damals haben wir wegen Morddrohungen gegen eine Person noch eine ganze Demo abgesagt! Wie naiv und unschuldig waren wir damals! Wenn wir jetzt jedes Mal bei einer Drohung die Meinungsfreiheit/Versammlungsfreiheit einschränken würden, dann würden überhaupt keine Demos oder Talkshows oder Zeitungs-Karikaturen mehr stattfinden!"?

Fühlt ihr euch verletzlicher als früher? 
Weil in Paris nicht mal Polizeischutz half?

Seid ihr allmählich aufmerksamer gegenüber eurer Umgebung?

Oder ignoriert ihr selbst in gefährlichen Situationen die Risiken, einfach um sich von den Terroristen "an nichts hindern zu lassen"?

Habt ihr beschlossen so wenig über die Anschläge zu lesen wie möglich, um den Terroristen nicht die Aufmerksamkeit zu geben die jene auch ganz persönlich wollen**? Merkt ihr euch extra nicht ihre Namen?
Oder schaut ihr euch die Berichte über Terroranschläge detailliert an? 
Seid im Netz immer update?

Seid ihr besonders kritisch gegenüber dem Islam geworden? 
Oder seid ihr kritisch, wagt es aber nicht zu sagen? 
Oder engagiert ihr euch seit Neuestem für die Integration der Muslime? 
Wagt ihr dabei auch auf Probleme hinzuweisen, oder findet ihr dass das zur Zeit tabu sein sollte?
Redet ihr mit Muslimen darüber?

Wie hoch ist eure Bereitschaft, auf eine Demo zu gehen?

Seid ihr bereit, mehr Polizei und weniger Datenschutz in eurem Leben zuzulassen? 

Denkt ihr über all dies nach, oder eher nicht, so im Alltag?

Was müsste passieren und wie nah an eurem Weg zur Arbeit, um wachsamer zu werden?

Und wie lautet nun die 
persönliche Devise von JanaBlog?:

Nachrichten?
Wenig. Sich medial so wenig wie möglich mit den einzelnen Anschlägen beschäftigen.
Damit die Terroristen nicht mehr als einen Millimeter an Boden in ihrem (inneren) Leben gewinnen.

Angst?
Nur eine kluge Wachsamkeit.

Das freie Leben genießen? 
Entschlossen, furchtlos, unbedingt.

Den Rest überlässt JanaBlog der Polizei.

Und das allererste Mal ist JanaBlog froh wie gut wir verdrängen können
Dass so viele von uns völlig tumb, tapsig, naiv die Umwelt nicht wahrnehmend, mit Ohrstöpseln und Smartphones in der Hand ihre Alltagswege bewältigen.

Für unsere Sicherheit wird es vielleicht bald nötig, wachsamer zu werden. 

Aber um eine Grund-Unbefangenheit zu erhalten, hilft es.

Und diese Unbefangenheit ist unsere luxuriöse Grundfreiheit, Teil der kostbaren Lebensqualität einer Gesellschaft in Frieden und Freiheit.








Ähnliches von JanaBlog:

 JanaBlog gibt es als ideales kleines Geschenkbuch!
Heißt „Erregungskurven“, und ist ganz normal im Buchhandel erhältlich, auch als E-Book, und international (JanaBlog-Leser in den USA aufgepasst)!

Näheres hier:

Oder gleich bei Bücher de. Oder bei Amazon, wo man ins Buch hineinsch bis Spielen auen kann::

                   
Für JanaBlog-Leser in den USA auch hier erhältlich:


oder
kontaktiere JanaBlog persönlich! – Einfach per Mail: JanaBloginfo@googlemail.com